Jahrgang 
1919: 1919
Entstehung
Seite
577
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Der Vortrupp

8. Jahrgang W9 Nr. O Oktoberheft

N)ie lösen wir die Ketten?

Wie ein aus tiefen und schweren Träumen aufgeschreckter Schläfer fahren wir auf.Ist das Wirklichkeit?"Nein, das kann nicht wahr sein!"-

Aber es ist wahr! Nicht nur das. Die Wirklichkeit ist schwerer und dunkler noch als die letzten Träume. Es nützt nichts, daß wir die Augen schließen und in unserer Einbildung das Bild minder schwarz zu gestalten suchen, wir sind herabgestürzt aus stolzer Höhe. wie eine Lawine ist das Unglück über uns hereingebrochen. Alles, was wir für stark und zuverlässig hielten, liegt in Schult und Scherben. Das sind keine Phrasen, das ist greifbare Wirklichkeit.

wenn wir uns heute vergegenwärtigen, was wir vor einigen Jahren erhofften und erstrebten, wenn wir an den Bienenfleiß unseres Volkes vor dem Kriege, an seine Entschlossenheit und Geschlossenheit zu Kriegs­anfang zurückdenken, wenn wir die Briese lesen, die unsere Söhne und Brüder damals aus dem Felde schrieben oder an das denken, was wir selbst redeten und schrieben... so kommt uns das alles vor, als wenn es aus einer ganz anderen Welt stamme. Und so ist es in der Tat!-

Es ist viel geredet worden vomdeutschen Gemüt", vondeutscher Ordnungsliebe und deutschem Organisationstalent", vondeutscher Zucht und Sitte". Zu viel vielleicht. Aber dennoch: als in den ersten Jahren des Krieges die Hungersteine aufragten, da hat uns das alles über die Not der Zeiten hinweggeholfen; durch jahrelangen Hunger und sich häufende Not erst wurde unser Volk entnervt und herabgedrückt, um entwürdigt zu werden. Die Gegner brauchen sich dessen nicht zu rühmen....Euer Ruhm ist nicht sein." Der Friede aber ist ein weiteres Glied in der Kette ihrer Handlungen. Nun wissen wir es: Man schmiedete Glied an Glied unsere Sklaven­kette. Sie zieht uns nieder, sie reibt uns wund, sie wird uns drücken viele Jahre lang. wir müssen aber alle mit aller Macht dahin streben, mit aller Kraft dafür arbeiten, daß wir wieder ,,aus freiem Grund mit freiem Volke stehn".

Da heißt es also, fest das ins Auge zu fassen und das zu tun, was einzig und alleine imstande ist, uns aus der Ohnmacht zu erheben, uns wieder Kraft zuzuführen. Nur aus der Erkenntnis heraus, daß Arbeit die Ouelle der Kraft ist, kann uns die Rettung kommen. Nur