Der Vortrupp
8. Jahrgang Nr. ^ h Juniheft
Die Aufgabe.
Hamburg, den ^z. Mai t9l9»
In den sogenannten „Friedens"bedingungen der Entente ist der Geist Llemenceaus und seiner Franzosen Fleisch geworden.
Ich habe nie daran gezweifelt, daß Frankreich — oder, gerechter ausgedrückt, die Schicht, die Frankreichs Gedankenwelt in all den letzten Jahrhunderten, unter all seinen Staatsformen, unumschränkt beherrscht hat — das eigentliche Hindernis in der Aufwärtsentwicklung der Menschheit ist. Auch da, wo dieses Volk einmal der Träger von Gedanken gewesen ist, die in einigen Richtungen groß waren, wie zur Zeit der französischen Revolution, hat es diesen Gedanken so scheußliche Formen gegeben, daß damit auch die Gedanken selbst verseucht und befleckt worden sind. Für Frankreich sind die andern Völker immer nur gerade gut genug gewesen, um aus ihrer Haut Riemen zu schneiden für das Zaumzeug feiner Pferde, und ihr Fleisch und Blut gerade gut genug zur Speise für seine unersättliche Eitelkeit, früher die Eitelkeit seiner Könige und Kaiser, jetzt die Eitelkeit seiner regierenden „Volksmänner". Um diese Eitelkeit zu nähren, hat Ludwig XIV. die Pfalz verwüstet, um sie zu mästen, führte Napoleon I. seine Kriege; um dieser Eitelkeit willen, die es nicht tragen konnte, daß ein Grenz- land mit einer Bevölkerung fast ganz deutschen Stammes wieder deutsch geworden war, hat Frankreich in jahrzehntelangem Mühlen die Melt in das Elend dieses Krieges hineingeschoben — zuletzt hineingestoßen, als es ihm gelang, das zaristische Rußland durch Bezahlung seiner Rüstungen dafür zu kaufen.
Jetzt ist dieses Frankreich das größte Hemmnis dafür, ich glaube, das einzige Hemmnis, daß der größte Heilsgedanke, den die Menschheit jemals gedacht hat, daß der Pazifismus, die Rechtsordnung zwischen den Völkern der Erde, Wirklichkeit werde: wenn der Franzose Jules Soury lehrt: „Der Krieg ist der natürliche Zustand von allem was lebt. Lr ist das Recht, das in der Gewalt beruht .. er ist die Weltordnung", wenn der Franzose M. Dausset predigt „Der Krieg ist der Erhalter der hohen Tugenden, die Schule der Pflicht", wenn der Franzose General Lherfils in verzücktem Krampfe in die Welt schreit „Der Krieg ist göttlich im Wesen. Er ist das Bad, das die moralische Gesundheit der Welt wieder herstellt, die von üblen Lüsten bedrückt war. Nie werden die Völker abrüsten, zum Glück für ihre
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