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1919: 1919
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Der Vortrupp

8. Jahrgang Nr. 2 2. Januarheft

Meine Stellung zur Revolution.

Hainburg, den H. Januar 1Y1Y.

Als Hamburger, aufgewachsen in Hamburg zr^ einer Zeit, als es noch völlig unpreußisch war, bin ich von allen mystischen Gefühlen gegenüber der Monarchie oder dem Träger der Krone immer frei ge­blieben. Die Krage, ob Monarchie oder Republik, war für mich stets ein Gegenstand kühlster, verstandesmäßiger Betrachtung und Erwägung. Ich bin dabei zu dem Ergebnis gekommen, daß sie eine reineFassaden­srage" ist, eine Zweckmäßigkeitsfrage von der Art wie die, ob ich die Außenwand meines Wohnhauses in weißer oder in roter Farbe halten will. Ls ist Geschmacksache, hat aber auch Einiges damit zu tun, welche Farbe am Besten hält in dein Klima, worin mein Haus steht. Gb ein Staat eine monarchische oder eine republikanische Fassade hat, das hat mit Glück oder Unglück, mit Freiheit oder Unfreiheit, mit Menschenwürde oder Knechtung Derer, die den Staat bilden, grund­sätzlich ebensowenig zu tun, wie die Frage, ob die Außenwand meines Wohnhauses weiß oder rot ist, etwas damit zu tun hat, ob die Zimmer im Hause zweckmäßig oder unzweckmäßig angeordnet sind: Ls gibt eineMonarchie", wo die Staatsangehörigen nach Menschenmöglich­keit glücklich, frei und menschenwürdig leben, und dementsprechend ihren Staat und dessen Einrichtungen lieben, nämlich England. Und es gibt eineRepublik", wo das Alles durchschnittlich noch viel mehr der Fall ist: nämlich die Vereinigten Staaten von Nordamerika. Und es gibt umgekehrtMonarchien", wo es den Staatsangehörigen nach Menschenmöglichkeit miserabel geht: das verflossene Ksterreich-Ungarn war so eine, und sein Erbfeind Italien ist es nicht minder. Und es gibt eineRepublik", wo im Grunde nie Freiheit war, und nie Freiheit sein wird, und in der kein Klardenkender leben möchte, auch jetzt nicht, wo ihr Engländer, Amerikaner und Neger einenSieg" geschenkt haben: Frankreich, (übrigens ohne zu verschweigen, daß wir Deut­schen, wenn wir die Republik des Herrn Liebknecht und der Dame Rosa Luxemburg bekommen würden, noch elendere Knechte sein wür­den, als das französische Volk, dessen Söhne Herr Llemenceau einkerkern oder erschießen ließ.) Ich habe früher stets den Kopf geschüttelt, wenn man uns beibringen wollte, und vollends wenn man Soldaten und Schülern einpaukte, um ein guter deutscher Patriot zu sein, müsse man Monarchist sein. Und ich schüttle heute nicht minder den Kopf,