4. Jahrgang Nr. 2t VSV Vortrupp November
Herausgeg. von Dr. Hermann M. Popert, Hamburg, und RavitSnlsutnant a.V. HansPaasche,Berlin.—verantwortUSchriftleiter:I)r.x!i11.R.Kraut,Hamburg20
Vortrupp-)ugend
Monatliche Beilage zum „Vortrupp", unter Verantwortung der „vortrupp"»Schriftleitung, herausgegeben von
Nr.u Hans j)aasche
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Dr. Haupt. — wollen und wirken^<Die
Wandlungen in der Freideutschen Jugend.
Die Freideutsche Jugend war auf dem Wege, sich über das Gemeinsame ihres Wollens klar zu werden, das Bild ihrer neuen Gedankenwelt zu gestalten und zu umrahmen. Es war ein mühsames Werk, das sie da vor sich sah; manch einer war schon drauf und dran, die Flinte entmutigt ins Korn zu werfen. Denn in unfruchtbarem Streit um belanglose Dinge wurde viel gute Kraft vergeudet, und in allerhand Winkel hatte man sich recht böse verrannt. Da brach der Krieg über uns herein.
Singend zog die Freideutsche Jugend ins Feld, viele der Besten sind schon aus ihren Reihen gerissen worden, manch prächtiger Kerl opferte sein junges Leben. Und manches blutjungen -Helden Brust schmückt schon das Eiserne Kreuz. Aber alle haben sie sich bewährt, die von der Freideutschen Jugend hin
ausgezogen sind. Ihre auf Wanderungen erworbenen Fähigkeiten, ihre harte Lebensart und ihre tatfrohe Schnellentschlossenheit sind ihnen da draußen sehr zustatten gekommen. Welche Wandlungen sie im Laufe des ersten Kriegsjahres erlebt haben, darüber werden sie selbst Zuverlässigeres zu berichten wissen, als ich. Denn es war mir leider nicht vergönnt, mit hinauszuziehen. Indessen lassen ihre Briefe aus dem Felde bereits allerhand Wandlungen erkennen. Durch das Zusammenleben mit Kameraden, deren Anschauungen sich meistens von der unsrer Freideutschen Jugend unterscheiden, ist die Aufmerksamkeit, ist der zielsuchende Blick der Meißner-Iugend in neue Richtungen gelenkt, sind ihr neue Wege in sozialer Richtung gewiesen worden. Und tiefgreifend haben die kriegerischen Ereignisse selbst, all die schreckliche Kriegsnot, auf die jungen Gemüter gewirkt. Bei fast allen Denen, die verwundet oder erkrankt oder zu weiterer Ausbildung in die Heimat zurückgekehrt sind, fällt das Line besonders auf: der wahrhaft religiöse Ernst, der von ihnen ausgeht. Die bereits dem Tode ins Angesicht schauen mußten,