Volume 
1915
Page
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eng geschlossen, Hand in Hand, die Blicke geradeaus in eine ferne Unendlichkeit gerichtet, dahin, wo das Ziel leuchtet.

Die Jugend vor der sozialen ^rage" heißt die gedankenvolle kleine Schrift, in der Ernst )oel uns diese Betrachtungen bietet. Sie erschien im Verlag der Kant­buchhandlung, Lharlottenburg, und ver­dient, daß man unsere suchende Jugend auf sie hinweist. Prof. vr. Strecker.

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; Vollen ! i und Wirken i

Bilder aus der lebensreformerischen ^ ! Jugendbewegung unsrer Zeit .

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meinschaft mit ihm fortleben, fort­leb e n so gerade das wertvollste Teil Eurer Gemeinschaft. Ob sein Tod Sinn, wenigstens vollen Sinn hat, ob Eure Liebe fortleben wird, das steht nun bei Dir. Line Aufgabe, die nur ganz oder gar nicht erfüllt werden kann, wohl schwerer als die Aufgabe, gemeinsam das Leben zu führen, aber in dieser schweren Aufgabe gibt das Schicksal uns den einzigen Trost und Kraft, das Leben allein in rechter Meise weiterzuführen. Ls bleibt genug Schweres und Rätsel­volles, aber um so stärker und sogar um so freudiger wollen wir an dem Glauben festhalten: Wir wissen, daß uns alle Dinge zum'Besten dienen. )e uner­klärlicher, desto stärker die frohe Gewiß­heit, unser Leben geht nicht in diesem Dasein der Körper- und Sinnenwelt auf. Du weißt nun voll Stolz, daß er einer von den Wenigen ist, die ihre Pflicht, die ihr Leben ihnen stellte, voll und ganz getan haben. Lr hat das Glück gehabt, in der schönsten Art, die es geben kann, seine Aufgabe zu erfüllen. Lr hat Monate auf einer Lebenshöhe stehen können, wie es friedliche Zeiten nur ganz vereinzelt gewähren; wie schön, daß diese Monate seine letzten waren.

Wir wollen dankbar sein, wenn wir ebenso restlos unsre Bestimmung er­füllen können, wir haben aber eine Hilfe in der Wirkungskraft seines Todes auf uns und haben auch in dieser Kraft noch ein lebendiges Stück von ihm. Und wir Andern wollen, was wir können, tun, um Dir zu helfen, daß dieses Schwere Deinem inneren Wachstum nur Segen bringt.

Dein Bruder

Hermann. Der diese Worte seiner Schwester schrieb, als sie den Geliebten fürs Vater­land auf dem Schlachtfeld lassen mußte, war einer unsrer besten Vortrupp­kämpfer. Drei Monate später hat er selbst im Sturm auf den Feind sein Leben hingegeben, und für uns gilt nun von ihm dasselbe, was er von seinem ge­fallenen Kameraden sagte. Auch er ist nicht tot für uns, sondern er hilft uns

Vortrupp-Jugend in Briefen.

Meine liebe Schwester, durch T. erfuhr ich gestern die traurige Nachricht, die völlig unerwartet kam. Ich bin noch zu überrascht und erschüttert, aber ein paar Worte muß ich Dir doch schreiben. Irgendwie verstehen läßt sich das nicht. Aber wir müssen gerade um so fester glauben, daß er seine Bestimmung er­füllt hat, daß er die ihm mögliche Voll­endung erreicht hat. Das müssen wir bei Allen glauben, in denen irgendwie wahres Leben erwacht war, auch wenn wir nicht sehen können, worin gerade seine Erfüllung stattfand. Im Großen ists ja klar, und das Herrliche, was in solcher restlosen Treue gegen das Vater­land liegt, das spürt man erst lebendig, wenn man eigne Opfer bringen muß. )n dieser Treue gegen das Vaterland lag auch seine Treue gegen Dich, und nun kannst Du gar nicht anders, wenn sein Sterben nicht nur sinnloses, für uns ver­zweiflungsvolles Sterben sein soll, als ferner alleswasDuhast,dem vaterlande, Deinen Volksgenossen zu geben, denn alles dies ist ja geringer, als was Du nun schon gegeben hast. In solchem Leben und Handeln von Dir wird auch die Ge-