Jahrgang 
1915
Seite
57
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» ^ Jahrgang Nr. Der Vortrupp ,.A«gust M5

5 Herausgeg. von vi. Hern,ann M. Popert, Hamburg, und Ravitänleutnant a.V. ^ Hanspaasche,Berltn.-verantwor^Schriftleiter:vr.pu!I.R.Rraut,öa^ ^ —————— - ——

j Vortrupp-fugend

Monatliche Beilage zum „Vortrupp", unter Verantwortung ^ der „vortrupp".Schriftleltung, herausgegeben von

Z Nr. 8 Hans Paasche Ms

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(Ls kann uns nichts ge­schehen.

Ein Brief aus unseren Tagen.

Meine Freundin, wie schön war es, wenn wir Seite an Seite weite, einsame Wege wandelten, unser In­nerstes vor einander öffneten und erschauernd die Harmonie unserer Seelen empfanden. Das war, wie wenn feine, unsichtbare Fäden von Dir zu mir, von mir zu Dir glitten.

— Du formtest zu Worten, was ich dachte, und staunend hörtest Du aus meinem Munde, was Du in Deinen Gedanken bewegtest.

Da empfanden wir ahnend das tiefe Geheimnis unsichtbarer Wirk­lichkeiten, wir fühlten, daß Gedanken Kräfte sind.

Line neue Erkenntnis trat in un­ser Leben, ein neues Verantwor­tungsgefühl wurde in uns geboren.

— Das gesprochene Wort war nur die grobe Form von dem, was un­

sichtbar und unhörbar, aber fühlbar und wirklich durch Dich, durch mich, durch die ganze Menschheit hin­durchflutete. Da gelobten wir uns in ernster Feierstunde:

Wir wollen die Welt unserer Ge­danken reinigen von allem Häßlichen, Niederen. Rein soll sein, was un­ser Mund aussxricht, rein soll aus unserer Gedankenwelt hinausgehen, was von außen, aus dem Unsicht­baren, hereinkam. —

Haben wir das Gelübde gehal­ten?

Das bunte Leben kam mit seinen Äußerlichkeiten, seinem Schönen und Häßlichen und mit seinen Pflichten und ließ uns das einst tief gefühlte Geheimnis vergessen. Doch in un­serm Innern blieb ein Unterton, der oft in ruhiger Stunde aus der Tiefe heraufklang und die Erkenntnis von der Wirklichkeit des Unsichtbaren neu belebte. —

Die ernste Zeit hat ein großes Mitempfinden in uns gelegt. Mehr als sonst haben wir gelernt, fröhlich mit den Fröhlichen, traurig mit den Traurigen zu sein.

Mannigfach, oft erdrückend sind