Jahrgang 
1915
Seite
49
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j q. Iahrgang Nr. 13 Der Vortrupp l.Iuli »l- §

H herausgeg. von Dr. Hermann M. Popert, Hamburg, und «avitänleutnant a.V. j 5 HansPaasche,Berlin.- 0erantwortUSchriftleiter:I)r.pd11.R.Urattt,e?amburg20 Z

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j Vortrupp-Jugend !

§ Monatliche Beilage zumVortrupp", unter Verantwortung <

^ dervortrupp".Schriftleitung, herausgegeben von

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Ihr werdet sein wie Gott, erkennend Gutes und Böses.

Ich nahm mir vor, einen hohen Berg zu besteigen, den Monte Rosa. Denn ich dachte, es müsse schön sein, so hoch in den Alxen zu stehen und zu schauen, und ein stolzes Gesühl, es zu leisten und geleistet zu haben.

Auch würde ich ein gutes Beispiel geben, denn ich wollte zeigen, daß diese Wanderung ohne Nahrung von Getöte­tem möglich, ja gut möglich ist.

Das Gute ästhetisch und ethisch war mein Ziel.

Ich schränkte zunächst meine Ausga­ben ein das war bös! und übte mich in einer nicht sonderlich kurzweiligen Gegend.

Ich hatte auch in meiner Umgebung einigen widerstand zu überwinden wegen der Gefahren, der Ausgaben u. a.; es war ein wenig Arger dabei.

Ls kamen mir auch unerwartete An­gelegenheiten in die SZuere, hemmten die Vorbereitungen und verzögerten die Reise.

Aber eines Tages saß ich doch in dem Zuge FrankfurtBasel und schwitzte

und fand die Bank im Abteil etwas hart.

Und es stellte sich in den nächsten Ta­gen heraus, daß einige Vorbereitungen nicht gut getroffen waren und daß auch die Harmonie unter den Reisegefährten unvollkommen war.,

Mühselig war der Weg den großen Gletscher aufwärts, eisigkalt umwehte uns oben der Wind, die uns umgebende Gefahr ließ Anseilung und äußerste Vor­sicht nötig scheinen, fast ging die Leistung über unsere Kräfte!

Lohnte sich das alles? Wir verbrach­ten eine Nacht in der Tabana Regina Margarita, wenn ich mich recht entsinne, 44s 5 02 hoch! So hoch hatte ich selbst auf meiner Montblanc-Tour nicht geschlafen!

Und überhaupt scheint mir die Be­steigung des Monte Rosa größere Reize zu bieten. Vor allem sind die Aussichten von den verschiedenen Spitzen, auch von der höchsten, der Dufour-Spitze, auf die so greisbar nahe liegenden umgebenden Gipfel, Kämme und Gletscher so pracht­voll, während auf dem Montblanc alles so tief unten, so winzig erscheint. Sind doch die Bergriesen beim Monte Rosa kaum weniger hoch als er selbst, so der Lyskamm, das Breithorn, das Matter­horn!

Rein Zweifel, unsere Augen konnten in Schönheit, in erhabener Gebirgsschön- heit schwelgen!

Aber wie, wenn Nebelwetter uns die­sen Genuß geraubt hätten.