Der Vortrupp
Jahrgang Nr. 22 ^6. November W5
Vom deutschen Heldentum.
Das deutsche Heldentum, das uns im Völkerringen Erfolg nach Erfolg eingetragen hat und uns den Endsieg trotz feindlicher Überzahl verbürgt — denn hoch über allen Zweifeln schwebt unsre Zuversicht —, dies Heldentum ist keine Rauflust und Kraftmeierei. Mag in diesem oder jenem Handgemenge Erfahrung in Händeln und urwüchsige Körperkraft den Ausschlag geben, den Krieg entscheiden sie nicht; denn Kraftburschen und Raufbolde gibts bei allen Völkern und bei unsern Gegnern entsprechend ihrer größeren Volksmenge gewiß insgesamt mehr.
Es mag geschichtlich Gebildeten unter unsern Feinden, wenn sie vor den Hurra rufenden Sturmtruppen ausreißen, einen Augenblick die Erleuchtung kommen, daß sich der knror tsutonieus, das Berserkertum, die Kamxfwildheit der Germanen, bei den Deutschen, ihren Nachfahren, erneuert. Aber diese wilde Kampffreude, gemischt aus Blutrausch, heißem Zorn und Kraftgefühl, gehört auch nicht zum innersten Wesen des Heldentums, das den Sieg unlöslich an unsre Fahnen kettet; denn was kann sie gegen todsxeiende Maschinen?!
überhaupt ist der Held unsrer Tage nur in Linzelfällen mit dem Helden alter Zeiten zu vergleichen. Groß, schön gebaut, gewandt in vielerlei Waffenhandwerk mag mancher von denen sein, die sich nun Ruhm erwerben; aber auch aus schmächtigem, schmerzdurchzucktem Körper wächst unsterbliches Heldentum empor.
Ganz fern steht dem abgründig traurigen Blutgeschäft der Gegenwart die lichte Gestalt des Märchenhelden, dem durch Wundergewalt alles gelingt, obwohl auch manch feldgrauer Krieger hochgemut durch tausend Gefahren schreitet, wie von einer Zauberwehr umgeben.
Schließlich: auch der schnell verfliegende Begeisterungsrausch, sei er an Worten oder an Getränken entzündet, hat wenig mit dem ausdauernden Heldentum der Sieger zu tun. verhaltene Glut tiefster Heimatsliebe ist besser als zügellose Leidenschaft.
Wer die wahrhafte Heldengröße in dieser furchtbaren Zeit begreifen
will, muß das Wort Heldentum um den neuen Sinn befragen, den die
Gegenwart ihm verleiht. ^ ^
»
Was uns Deutsche zu Siegern macht in diesem ungleichen Kampf, das ist weder eine Sache des Mundes, noch der Muskeln, noch endlich des
1