Jahrgang 
1915
Seite
353
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Jahrgang

Ar. ^8

^6. September W5

Die Heilsarmee und wir.

Gewiß hatte mein Schweizer Freund recht, als er beim Anblick einer Leutnantin der Heilsarmee ausrief:Ist's nicht eine Schande, daß wir uns die heikelste und vordringlichste soziale Ehrenpflicht von einer ausländischen Gesellschaft abnehmen lassen, deren Gebaren uns so zu­wider ist?"

Aber man muß das ganze Heer der Entgleisten und ihr Elend kennen, die viele Tausenden von Verbrechern, die jährlich aus den Zuchthäusern ausgesxien und auf die Gesellschaft losgelassen werden, bis sie, zumeist binnen Jahresfrist, nach neuen Verbrechen wieder ins Zuchthaus zurück­wandern, die Landstreicher, die ihr Leben lang über Landstraßen und durch Arbeitshäuser irren, all die jungen Mädchen, die prächtige deutsche Mütter würden, wenn sie besser erzogen worden und nicht von dergesinnungs­tüchtigen" Männerwelt erst verführt und dann ins Dirnentum verstoßen wären, die verkommene Gassenjugend, aus der die Zuhälter und Gauner und Aufrührer hervorgehen. Dann die Welt von Trinkern, die zugleich den größten Teil alles Frauenelends verschulden und die Welt mit Rausch- und Sündekindern überschwemmen und mit ihnen allen die Schwächlinge an Körper und Geist und Willen, die den Wettbewerb unserer Tage nicht bestehen können. Man muß die verzettelte Kleinarbeit aller anderen Werke zum Wohl der Ausgestoßenen kennen. Dann erst wird man neben dem Abstoßenden auch das Große würdigen, das die Heilsarmee geleistet hat, dieses Heer von Helfern, das über die ganze Welt verbreitet ist, mit seinen Zufluchtsstätten für Obdachlose und Wandererherbergen, den Arbeiterkolonien und Werkstätten und Fabriken, die den schwächsten Kräften angepaßt sind, den Trinkerheilstätten und Krankenhäusern und Blöden- anstalten, den Säuglings- und Kinder- und Jugendheimen für Verbrecher­kinder, den Besserungs- und Dirnen-Verbrecherhäusern in allen mög­lichen Anstalten vom Zelt oder Schlupfwinkel in einer Scheune bis zur überseeischen Verbrecherkolonie und dazu noch einem Riesenwerk der äußeren Mission.

Ein kleines Stück Liebesarbeit sei herausgegriffen, weil man bei uns die Heilsarmee immer nur nach der Art ihrer Aufzüge und dem Eharakter und Tone desKriegsrufes" beurteilt. Ein Herrengütlein in der Schweiz

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