Jahrgang 
1915
Seite
153
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H. Jahrgang Nr. 8 ^6. April W5

<Lhina, Japan und wir.

Ende Januar dieses Jahres ist Sun j)aotschi, der frühere chinesische Ge­sandte in Berlin und letzteKaiserliche" Gouverneur von Schantung, der dann nach einigen Zwischenämtern in der Republik China Minister des Auswärtigen wurde, von diesem Amte zurückgetreten. Er darf als ein Vertreter jener Richtungen betrachtet werden, die China unter möglichster Fernhaltung der I ap an er mit Hilfe der Westmächte für ihn kam in erster Linie Deutschland in Betracht, dessen Kaiser er als Herrscher-Ideal verehrte reformieren wollten. Es unterliegt wohl keinem Zweifel, daß das Vorgehen der Japaner gegen Tsingtau und gegen Schantung und die (Ansicht, daß nunmehr ihre Vorherrschaft in China nicht mehr aufzu­halten sei, der Hauptgrund zu Sun Oaotschis Austritt aus dem Ministerium war.

Die Erbfeindschaft und Mißachtung, womit die Chinesen früher die Japaner als minderwertige Ableger ihrer Mutterkultur oder als Kultur­bastarde von Ost und lVest betrachtet haben, hat durch die augenfälligen Erfolge der letzteren eine gewaltige Umwertung erfahren. Besonders hat der russisch-japanische Krieg, wo zum ersten Male seit den Hunnentagen eine mongolische Macht über eine europäische siegte, bei den Chinesen neben dem Gefühl der Furcht vor diesem unheimlich schnell emporgekom­menen Nachbar auch den Rassenstolz und die Hoffnung ausgelöst, daß man auf demselben Wege wie daskleine" japanische Volk, am schnellsten aber im Bündnis mit ihm, stark werden und den oft empfundenen Druck der weißen Rasse los werden könne. Das ist das Hauxtargument der ^)ro- Japaner in China, die dabei hoffen, daß das Massenmoment der Chinesen schließlich die Japaner wieder aufsaugen, oder daß ein späteres Abschütteln dieses einen Volkes leichter sein werde als das Abschütteln einer größeren Anzahl westlicher Nationen. Außerdem verschwinde durch einen festen Anschluß an Japan das immer wieder auftauchende Hausgespenst der Aufteilung Chinas. Bei den Antijaxanern Chinas überwiegt dagegen der alte Haß und die neuere Furcht vor diesem gefährlichen Nachbarn und Vetter, der ihnen nach den Erfahrungen in Korea und der Südmandschurei nur rücksichtslose Unterjochung bereiten würde, ohne die nicht ganz abzu­leugnenden Segnungen, vor allem das Geld, der Westmächte. Gegen letztere könne man sich außerdem wenigstens durch Gegeneinanderaus-