Volume 
1915
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Der Vortrupp

Jahrgang Nr. 6 ^6. März

Kriegerheimstätten!

Millionen deutscher Rrieger stehen jetzt im Feld, und wenn wir fast überall in unserem Vaterlande von den ganz unmittelbaren Schrecken des Krieges verschont blieben, haben wir das nur diesen unseren Kriegern, unserem deutschen Volksheer zu danken.

Dankbarkeit, das ist ein schweres und doch ein schönes Wort. Wohl uns, wenn uns das Dankbarsein recht schwer gemacht wird. Lin Dank, der schnell und leicht gegeben ist, trägt für den Gebenden wie für den Empfänger nicht die seelischen Kräfte, nicht den guten Geist in sich, den die Dankbar­keit als Gxfer und Arbeit, die Dankbarkeit als beherrschender Sinn unseres Tuns in sich tragen kann.

Wir Deutschen sind noch immer das Volk der Dichter und Denker. Besonders auf das Denken kommt es jedem rechten Deutschen an. Als unerreichte Fähigkeit zu organisieren hat unser Denken im gegen­wärtigen Weltkriege immer wieder Erfolge errungen, die allein mit körper­licher Kraft, mit Massenwirkungen oder mit Schläue und List nicht zu er­reichen gewesen wären. Das Nachdenken ist das Überlegene. Und wenn wir jetzt fragen, wie wir unseren Kriegern dankbar sein wollen, dann kann es nicht deutsche Art sein, ohne weit schauendes Nachdenken dasNächst­liegende" zu tun, wie ein Mensch, der im Großstadttaumel sich selbst verloren hat, etwa am Abend vor dem Geburtstag seiner Mutter mit 20 Mk. ins Warenhaus rennt, schnell etwasfür eine ältere Dame zum Geburtstag" einkauft und am nächsten Morgen äußerst selbstzufrieden feststellt, daß er diesmal doch an den Geburtstag seiner Mutter gedacht hat. Jetzt herzlos den heimkehrenden Kriegern irgendwie Geld zu geben oder in einer auf ähnlicher Höhe stehenden Art die Dankesschuld abzutragen, die wir ihnen gegenüber haben, das würde uns einen Verlust in dem seelischen Ver­hältnis zwischen unserem Volk und seinen Kriegern bringen, der nicht wieder gut zu machen wäre.

Zweierlei können wir tun, um den heimkehrenden Kriegern zu danken. Wir können arbeiten, daß ihnen Schäden und Unglück fern bleiben, und wir können ihnen Voraussetzungen schaffen zum Glücklichwerden, zum Glück­lichsein.

Schäden und Unglück sollen unseren heimkehrenden Kriegern fern bleiben.

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