Jahrgang 
1915
Seite
49
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Der Vortrupp

Jahrgang Nr. 3 ^. Februar W5

Des Deutschen heiliger Krieg, n.

Gar Manchem geht es heute wie mir: es'hat uns viel gekostet, unsere Liebe für England auszugeben. Seit srühester fügend hatten wir ein Gesühl der Zusammengehörigkeit mit dem Volk auf der anderen Seite der Nordsee. Später schlössen wir dort Freundschaften, die die Jahre über­dauerten, und lernten dort vieles bewundern, nüchternen Sinnes, was uns sehlte, vor allem eine Sicherheit des Urteils und des sittlichen Taktes, die wir im eignen Lande oft vermißten. Wir fragen uns heute, wo alte Liebe in um so größere Erbitterung und Empörung umgeschlagen ist, ob wir uns getäuscht hatten? War das, was wir so hoch einschätzten, nur Schein? Waren wir zu einfältig, um englische Heuchelei ZU durchschauen? Hatte der Deutsche sich wieder einmal durch seine Neigung zur Ausländerei blenden lassen? Warum hatten denn nicht andre Völker in uns diese Ver­ehrung sür aufrechte und stolze Männlichkeit erweckt? War der englische Gentleman nie das, wosür wir ihn hielten, sondern nur das, was wir heute damit bezeichnen wollen? Es liegt mir fern, unserm schlimmsten Feind das Wort zu reden. Nur klar möchte ich sehen, damit nicht blinder Haß zum Säbel greifen läßt, sondern nur der feste Wille, drohende Gefahr abzuwenden. Denn wir stehen hier offenbar vor einem Rätsel, und wenn wir nicht nach der Lösung fragen, erfaßt uns eine unbezähmbare Wut, der Ernst Lissauer den treffenden Ausdruck gegeben hat:Wir haben alle nur einen Haß: England!" Es scheint mir, daß wir solche Regungen tiefer begründen müssen, damit wir wissen, um was es sich eigentlich handelt, damit wir später sest bleiben. Ich wiederhole: damit wir später fest bleiben. Jetzt lodert der Zorn hell genug, aber sobald er verraucht ist, wird die deutsche Gutherzigkeit uns ganz sicher wieder einen Streich spielen, wenn wir nicht klar erkannt haben, warum England der Feind ist. Haß macht blind. Er fühlt nur einseitig das, was am Andern reizt und empört, die äußeren Handlungen, die den eigenen Wünschen und Interessen zuwiderlaufen. Er verhindert das zu sehen, was allein ihn rechtfertigen kann: den inneren Widerspruch der Geister, die kraft ihrer verschiedenartigen Wesensrichtung um die Herrschaft einander wider­sprechender und einander ausschließender Ideale streiten.

Diesen Grundunterschied des englischen und deutschen Geistes gilt es zu spüren, damit wir wissen, wofür wir kämpfen, und was wir bekämpfen.

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