3. Jahrgang Nr. 12
Der Vortrupp
16. Juni 1911
Herausgegeben von Vv. Hermann M. Popert, Hamburg, und Kapitänleutuant a. D. Hauspaasche, Berlin. — verantwortlicher Schnftleiterr 1)v. pIUI. R. Kraut, Hamburg 20.
Mtteilungen
des Deutschen Vortrupp-Bundes
In zwangloser Reihenfolge (von Oktober bis Mai In der Regel einmal monatlich) als Beilage zum „Vortrupp" für die Vortrupp-Gruppen und Vortrupp-Freunde
6 Geschäftsführung des „Deutschen Vortrupp-Bundes"
1914
Dom I. Deutschen Vortrupp-Lag in Leipzig.
Leipzig, deir 3. Juni ( 9 ( 4 .
Mährend diese Nummer der „Mitteilungen" gedruckt wird, nimmt im Königin Luise- Hause und in: Kongreßsaale der „Weltausstellung für Buchgewerbe und Graphik" der I. Deutsche Vortrupptag seinen Fortgang. Line stattliche Schar der Vortrupp-Freunde ist bereits zum heutigen zwanglosen Be- grüßnngsabend eingetroffen, haben doch die Meldungen alle Erwartungen der Geschäftsführung übertroffen. Bis heute sind 2 ? ( Teilnehmerkarten gelöst und sechzig Vortrupp- gruppen vertreten. Das darunter die örtlich entferntesten sind, wie Zürich, Riga, Flens- burg, ist allen Freunden eine besondere Freude.
Heller Sonnenschein ruht für ein Weilchen nach trüben Regentagen auf Leipzigs blutgetränkten Fluren. Die gegenwärtig hier versammelt sind, tragen helle Sonnenglut im Herzen, die Glut, die der Sonne heißer Liebe zum ganzen deutschen Volke entströmt.
Unter den gegenwärtig hier tagenden fünf Kongressen fallen unsere Freunde sehr bald auf. Wenn sie auch nicht ganz so ausschauen, wie die kraftvollen Germanengeftalten auf den Vortrupp-Plakaten, die auf dem Hauptbahnhofe als Wegweiser dienen, so sieht man es den meisten doch an, sie kommen als wander- frohe Menschen mit fröhlichem Sinn und blanken Rügen, Kameraden suchend, die den
gleichen Weg mit ihnen schreiten wollen auf wärts zur Sonne. Ulan sieht es ihnen an, daß nicht wirtschaftliche Fragen verschiedener Art, verbunden mit üblichen Kongreßvergnügungen sie nach hier führte. Unsere jungfrische vor- trnppschar — auch die älteren Frauen und Männer unter uns empfinden wie die kanipf- frohe Jugend — wird geeint durch das heilige Wollen zur Tat.
Unter diesen: Zeichen wird auch der ganze Vortrupptag stehen. „W ieschaffenwir etwas, was oben bleibt?" Diese ernste, von: Vorsitzenden selbst behandelte Frage — siehe den Abdruck der Festansprache in der vorliegenden Nummer des Vortrupp*) — wird der Grundton der diesjährigen Verhandlungen sein, die in erster Linie mehr die Aufgabe haben, unsere Freunde einander näher zu führen, als auf die Außenwelt zu wirken- Es ist etwas Ungewöhnliches, daß aus einer Zeitschrift in so kurzer Zeit eine Bewegung entsteht, wie die unsrige, die in ihre:: einzelnen Vertretern einen so kräftig bekundeten Drang zum Wirken offenbart. Deshalb sind für sie auch die Fragen der besten inneren Ausgestaltung unserer Tatgerne i n s ch a f t, in der man sich so freudig zusammengefunden hat, zunächst die notwendigste::. Die Schriftleitung hat in: letzte:: „Vortrupp"-Hefte (auf S. 3-19) den Hauptzweck des 1. Deutschen Vortrupp-Tages treffend und kurz mit den: Sahe gekennzeichnet: „Was der vortrnpptag soll und will, das ist in erster Linie eine Ergänzung derjenigen Arbeit, die der „Vortrupp" mit seinen regelmäßig erscheinenden Heften zu leisten sucht." Wie schaffen wir etwas, das oben
*) S. Z 69 .