3. Jahrgang Nr. q 16. Februar 1914
Herausgegeben von vi'. Hermann M. Popert, Hamburg, und Kapitänleutnant a. D. Hans j)aasche, Berlin. — verantwortlicher Schriftleiter: Dr. pliil. R. Kraut, Hainburg 20.
Mitteilungen z
des Deutschen Vortrupp-Bundes *
Nr. 2
In zwangloser Reihenfolge (von Oktober bis Mai in der Regel einmal monatlich) als Beilage zum „Vortrupp" für die Vortrupp-Gruppen und Vortrupp-Freunde herausgegeben von der
Geschäftsführung des „Deutschen Vortrupp-Bundes"
M4
Inhalt. Deutscher Siedlerbund. — Aus der Vortrupp-Arbeit. — Bitte. — Werbematerial. — Deutscher
Deutscher Äedlerbund
(oder Soziale Siedlungs-Gemeinfchaften.)
In einer Zeit, die wie die unsre sich auf sozialem Gebiet durch eine gewaltige Mrgani- sationsarbeit sowohl staatlicher wie freier verbände auszeichnet, werden die Stimmen derer immer dringender und warnender, die in der Verarmung unsres öffentlichen Lebens an persönlichen Taten einen ernsten Schaden sehen. Die Gefahr, daß durch die öffentliche soziale Fürsorge ein großer Teil der Frcier- gestellten sich seiner nächsten pflichten entlastet glaubt, ist kaum geringer als jene, daß durch überspannte Klassenkampfprinzipien die getrennten Schichten unsres Volkes an gegenseitiger Anteilnahme und Hilfe mehr und mehr verhindert werden. wenn in dieser immer schärfer sich zeigenden Krisis etwas helfen kann, so darf diese Hilfe weder in paragraphenmäßiger Regelung noch in einer zur Selbstvereinsamung und Klassenentfrem- dung führenden überspannten Selbsthilfe, noch in herablassender Wohltätigkeit, noch auch in Kongressen und Resolutionen gesehen werden, sondern in einem Miteinander aller Kräfte, einem auf Gegenseitigkeit des Gebens und Nehmens und vorurteilsfreierMenschenachtung gegründeten Verkehr mit den Handarbeiten
den Volksgenossen und einen: aus genauester erlebter Kenntnis der bestehenden Zustände aufbauendem freundschaftlichen Helfen.
Diese Gedanken praktisch zu betätigen, hat sich im Anschluß an die Lomenius-Gesellschaft der Deutsche Siedlerbund gebildet, der in Anlehnung an das Vorbild der englischen Settlements, (wenn auch im deutlichen Bewußtsein grundlegender Unterschiede) die Gründung von Siedlungsgemeinschaften anregen und in die Wege leiten will. Diese Siedlungsgemeinschaften sind enge Verbindungen sozial denkender Menschen, die sich in den Arbeitervierteln der Städte gemeinsam ansiedeln, um mit ihrer Nachbarschaft zur Pflege gemeinsamer Güter in Verkehr zu treten und in persönlicher weise zu helfen, wo Hilfe nottut. Als Arbeit der Siedlungsgemeinschaften, die ihren Mittel- und Ausgangspunkt in den Siedlungsheimen hat, sind beispielsweise zu nennen: Lrörterungs-, Lese-, vortrags- und Musikabende für Erwachsene; Begründung und Unterhaltung von Jugend- vereinigungen, gemeinsames Spiel, wandern und Turnen; Beschäftigung mit Kindern durch Spiel-, Arbeits-, Sing- und Bastelstundcn; Hilfe bei der Armenpflege, Jugendfürsorge, Krankenfürsorge und wohnungspflegc; Einrichtung einer unentgeltlichen Rechtsauskunftsstelle, Berufsberatung für Jugendliche, Vermittelung von Ferienaufenthalt; gelegentliche Bücher-, Bilder- und Hausratausstellungen. Der engeren Gemeinschaft der Siedler treten eine größere Anzahl nicht im Siedlungshcim wohnender Helfer zur Seite, die sich zu regelmäßiger Mitarbeit etwa als vortrags- und Klubleiter, Vorturner usw. zur Verfügung stellen.
In verschiedenen Städten ist bereits mit der praktischen Tätigkeit begonnen worden. Männer und Frauen, die an der Tätigkeit des Siedlerbundes teilnehmen wollen oder vor-- trvxxgrupxen, die sich mit dem Siedlungs-