Jahrgang 
1914
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tz Nr. 5

Ainderbeilage

3 . Jahrgang Nr. 9 A ? v 0 v t v U p p U Mai r9^

Herausgegeben von Dr. Hermann M. Popert und Rapitänlentnant a. D. Hans Paasche. verantwortlicher Schriftleiter: Oi. R. Äraut, Hamburg 20

Heinrich Scharrelmann vn j

von

Ganz niedergedrückt war Anni nach Hause gekommen. Sie setzte sich in ihre Kammer und weinte still vor sich hin. Sie zog die Tarn­kappe heraus und betrachtete sie. Ach nein, Freude hatte sie ihr bis­her noch nicht gebracht. Und sie hatte so sehr gehosft, durch die Kappe viel Gutes tun zu können. Aber immer, wenn sie es versucht hatte, war die Sache fehlgeschlagen und ganz anders ausgegangen, als Anni erwartet hatte.

woran lag das bloß? Anni grübelte und konnte doch keine Ant­wort auf ihre Frage finden.

Dann stand sie endlich auf und schloß die Tarnkappe vorsichtig in ihre Kommode ein.

Nach ein paar Tagen jedoch, als sie ein neues Taschentuch aus ihrem Auszuge nehmen wollte, fiel ihr die Kappe wieder in die Augen. Sie setzte sie auf und ging auf die Straße.

Durch das enge und winklige Viertel der Stadt wanderte sie, durch Straßen, die so eng waren, daß die Leute aus den Fenstern der gegenüberliegenden Häuser sich die Hände reichen konnten.

Als Anni so durch eine dieser Straßen spazierte und bald hier, bald dort in ein kleines Stubenfenster hineinschaute, da erblickte sie in einer Stube ein kleines Mädchen, das mochte wohl 7 oder 8 Jahre alt sein. Das Kind lag im Bette und spielte mit einer Puppe ohne Kopf, und auf der rot und weiß gewürfelten Bettdecke lag Puppenzeug verstreut. Die blassen, mageren Hände des kleinen Mädchens tasteten an der Puppe herum und versuchten eine Samtjacke, die zu klein sein mochte,

Die Tarnkappe.