Volume 
1914
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tz A. Jahrgang Nr. 5 I) 6 v VovtvUPP U März tz

? herausgegeben von Dr. Hermann M. Popert und Kapitänleutnant a. D. r ? hanspaasche.verantwortlicher Schriftleiterrvr.R. Kraut, Hambnrg20 5

!Ainderbeilage^

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) Nr .3 Heinrich Scharrelmann >Sl4 j

Die Tarnkappe.

Am Nachmittage, als Anni aus der Schule gekommen und ihre Hausaufgaben fertig hatte, setzte sie wieder die Tarnkappe auf und ging nach draußen. Sie hatte ihr Strickzeug mitgenommen und wollte in die Anlagen gehen und dort fleißig Handarbeiten.

Unsichtbar für alle Leute schlenderte sie langsam einen schattigen weg dahin. Da sah sie auf einmal dicht vor sich eine Bank. Darauf saßen zwei Burschen, die wohl t6 oder ich Jahre alt sein mochten. Beide sahen nicht gerade zum besten aus. Der Line hatte eine Hose an, die unten an den Rändern stark ausgefranst und zerrissen war. Sie trugen beide bunte Arbeiterwollhemden ohne Kragen und Schlips. Anni sah sie scheu von der Seite an. Da fiel ihr ein, daß sie ja die Tarnkappe auf dem Kopfe hatte und von beiden deshalb nicht ge­sehen werden konnte.

Die beiden jungen Burschen schienen eifrig im Gespräch zu sein. Anni hörte im Vorbeigehen die Worte:Ganz gewiß, du, der alte Jude in der Besselstraße ist tot! weißt du, er hat ihn einfach um­gebracht. Und famos hat er das gemacht!"

Anni lief ein Schauder den Rücken herunter, was war das? Von einem Morde sprachen die beiden?

Sie stand einen Augenblick und zögerte und sah den beiden Ge­sellen aufmerksam ins Gesicht. Die aber sahen sie ja nicht und hatten keine Ahnung davon, daß sie belauscht wurden.

Endlich wagte es Anni. Sie setzte sich ganz an das äußerste Lnde der Bank zu den Beiden und strickte ruhig weiter. Dabei lauschte sie aber immer auf das Gespräch. So hörte sie denn, wie der Line, der