Der Vortrupp
3. Jahrgang
Nr. G
Oktober
Landgraf, werde hart!
i.
Von der sonnigen Küste eines vierzigjährigen Friedens trägt uns der in reißenden Wirbeln davonschießende Strom des Geschehens unaufhaltsam neuen, noch unerkennbaren Ländern entgegen. So rasch leben und erleben wir heute, daß jene Friedensjahre schon wie die gute alte Zeit in nebelhafter Ferne hinter uns zu liegen scheinen; aber das Antlitz, das die Zukunft uns zuwendet, ist dem forschenden Blick noch verhüllt. Glücklich, wer im Feld mitkämpfend helfen darf, diese Zukunft zu gestalten! Uns anderen, durch Geschlecht, Lebensalter, körperliches Leiden daheim zurückgehalten, bleibt nichts übrig, als Arbeitskraft und Geld dem Vaterland willig darzubringen, ohne Eigennutz brüderlich miteinander zu leben, den Schwachen zu helfen, im übrigen aber die Pflicht des Tages zu erfüllen, so schwer es sein mag, und unsere Augen fest, unsere Herzen stark zu machen, wenn die Zahl der Gegner, die Größe der Verluste, überhaupt der beispiellose Umfang dieses Krieges unser Herz bedrücken wollen, müssen wir uns immer wieder aufrichten an den unvergleichlichen Taten unserer Heere. Ulan braucht nicht an die Zahl der Streiter zu denken, um vom größten Heldenkampf zu sprechen, den die Erde je gesehen hat.
wäre es nicht kleinmütig, am schließlichen glücklichen Ausgang auch nur einen Augenblick zu zweifeln? Gestehen wir es uns ein — der deutsche Volkscharakter weist einen Zug aus, der, so edel er ist, gefährlich werden kann. Ich meine unsere weichherzigkeit, unsere Gutmütigkeit, unseren Mangel an Härte oder wie sonst man diese unzweifelhaft vorhandene und durch den Verlauf des Krieges wieder bestätigte Eigenschaft nennen will. In Verbindung mit unserer unerschütterlichen Rechtlichkeit auch gegen den Feind setzt sie uns manchmal stark in Nachteil.
Dies ist kein Krieg wie die von ^666 oder 1670, wo zwei Völker in ehrlichem Kampf miteinander um die Vorherrschaft rangen; wir sind heute vielmehr in der Lage eines Mannes, der von drei tollwut- kranken Hunden und ein paar kleineren Kläffern zugleich angefallen wird. Es geht nicht um unseren militärischen Vorrang, um unsere Seemacht, unseren Handel oder unsere Industrie, es geht schlechtweg