Jahrgang 
1914
Seite
537
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Der Vortrupp

5. Jahrgang Nr. ^8 ^6. September

Innere Werte.

Solange wir inr Frieden lebten, erschien uns der Krieg nur als Verruchter von Leben und Gesundheit, von unschätzbaren Gütern, von allen Errungenschaften jahrzehntelanger Arbeit. So völlig erschien er uns als sinnlos zerstörende Macht, daß wir es nicht glauben konnten und wollten, die zivilisierten Völker der Erde könnten sich jemals wieder untereinander bekriegen. Nun stehen sie sich waffen- starrend gegenüber; ein Krieg, wie ihn die Menschheit noch nicht erlebt hat, ist ausgebrochen, und siehe, er zeigt uns ein doppeltes Gesicht.

wir wissen es wohl und sind daraus gefaßt, daß er die gewalt­tätigen Triebe der menschlichen Natur in Tausenden aufstacheln wird. Schwere Dinge werden verübt und erlitten werden, und niemand von uns weiß in dieser Stunde, ob er die ganzen Schrecken entfesselter Mut und Angst nicht am eigenen Leibe und Leben er­fahren wird.

Es sind nur wenige unter uns, die sich jetzt nicht um ein liebes Haupt sorgen müssen. wir alle haben Verwandte und Freunde im Felde, an die wir mit Bangen denken; wohl auch mit Stolz, doch mit jenem schmerzlichen, der die Bereitschaft einschließt, das Liebste hinzugeben, wenn es sein muß zum Heil des Vaterlandes.

)n manch einer durchwachten Stunde der Nacht will uns ein Grauen anfassen vor dieser furchtbaren Macht, die jetzt auf Millionen von verwundbaren sterblichen, fühlenden Menschen losgelassen ist, wie ein Dämon des Abgrunds, blutgierig und zerstörungslustig, bereit, ganze Heere unter seinem Schritt zu zermalmen.

was bedeutet vor solcher Möglichkeit der drohende Verlust von Hab und Gut! Dennoch, auch der Daheimgebliebenen harrt ein voll gerüttelt und geschüttelt Maß von Not und Anstrengung und Fährnis.

Soll man nicht im Angesichts solcher Folgen des Krieges diesem immer wieder die Menschheit schreckenden Todfeind aller Ordnung und Wohlfahrt fluchen? Soll nicht das gequälte menschliche Ge-

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