Der Vortrupp
3. Jahrgang Nr. ^5 August WH
Marineoffiziere als Gastgeber.
Den Anlaß zu den folgenden Betrachtungen gibt ein kurzer Aufsatz des Admirals Breusing. Unter der Überschrift: „Demokratische Freiheit" hat Admiral Breusing Folgendes geschrieben:
Der Staatssekretär der Marine der Vereinigten Staaten von Nordamerika hat vor kurzem verfügt, daß an Bord von Kriegsschiffen der Vereinigten Staaten fernerhin von niemand alkoholische Getränke irgendwelcher Art als Genußmittel jemals genossen werden dürfen. Der Grund für diese Maßnahme ist die durch wissenschaftliche Untersuchungen festgestellte Tatsache, daß Alkohol schon in kleinen Mengen das Gehirn und damit die Denkfähigkeit der Menschen ungünstig beeinflußt. Es ist deshalb von Wichtigkeit, daß die kommandierenden Seeoffiziere vor schwierigen Manövern, bei denen es darauf ankommt, die taktische Lage möglichst schnell zu erkennen und danach einen Entschluß ohne Säumen zu fassen, sich des Alkoholgenusses enthalten. In unserer Flotte hat das dahin geführt, daß der Alkoholgenuß überhaupt abgenommen hat, und daß vor Manövern, bei denen die volle Denkfähigkeit der Kommandanten erforderlich ist, z. B. bei Torxedoboots-Nachtmanövern, die Kommandanten selbstverständlich keinen Alkohol zu sich nehmen. Also in unserer monarchisch gesinnten Flotte tut der Offizier aus Pflichtgefühl frei und ohne Zwang das Nötige, in der demokratisch regierten Flotte der vereinigten Staaten gewährt man den (Offizieren die gleiche Freiheit nicht. Dieses Offizierskorps ist hochgebildet, von Diensteifer und Pflichtgefühl beseelt, es würde sicher ebenso verfahren wie das deutsche Seeoffizierkorps, und doch scheut sich die ihm vorgesetzte Behörde nicht, es durch eine drakonische Verfügung zu binden, durch eine Verfügung, die kränkend wirkt, weil sie als ein Beweis von Mißtrauen hinsichtlich des Pflichtgefühls der Offiziere aufgefaßt werden kann, die beschämend ist für die Offiziere gegenüber den Offizierkorps anderer Flotten. Denn die Seeoffiziere der vereinigten Staaten werden in Zukunft mit fremden Seeoffizieren nicht mehr auf gleichem Fuße verkehren können, weil sie dargebotene Gastfreundschaft nicht mehr im eigenen Heim in der üblichen Weise erwidern, sondern nur mit der Bedingung annehmen können, daß sie sie in einem Gasthofe an Land erwidern.
Ich habe den Absatz wörtlich wiedergegeben, weil er ein wertvolles Beweisstück ist für die Denkart vieler Menschen in unserer Zeit. Von drei verschiedenen leiten bekam ich ihn, bunt angestrichen, zugesandt. Ein Abstinent schrieb: „Der Admiral hat seine Erfahrungen als deutscher Offizier gesammelt. Ist es denn wirklich so schlimm?
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