Der Vortrupp
3. Jahrgang Nr. ^0 ^6. Mai WH
Druckfehlerberichtigung.
In dem Aufsätze „Marburg" in Nr. 9 von 19 ist auf Seite 267, Zeile 4 von oben, hinter dem Komma irrtümlich und sinnstörend das Wort „das" gedruckt, anstatt des Wortes „die". Das betreffende Satzbruchstück lautet also richtig so: „wenn es gelten sollte, die segensreiche klare Absage an das Parteiwesen, die in den Marburger Beschlüssen enthalten ist ... . ." Hermann Popert.
Warum sollen wir Idealisten sein?
Die Leute, die unsre Zeit pessimistisch betrachten, sind sehr zahlreich. wer irgendwo an irgend einem gemeinnützigen Werk steht, an der Lösung irgend einer idealen Ausgabe mittut, der kennt auch die Pessimisten, die diesen Werken und Ausgaben mißtrauisch, zweifelnd, oft sogar feindselig im Wege stehen. Es hat zu allen Zeiten Pessimisten gegeben, auch in solchen Zeiten, die wir heute als große und glänzende bewundern. Es ist darum schwer zu sagen, ob unsre Zeit pessimistischer gestimmt sei als andere, als beispielsweise die Zeit vor hundert Jahren, die ein Fichte selbst als das „Zeitalter der vollendeten Sündhaftigkeit" bezeichnete, über deren Vielleserei, Oberflächlichkeit und Vergnügungssucht er klagte, und in der Kant, von der Annahme des radikalen Bösen ausgehend, zu einer recht ungünstigen Einschätzung der Menschennatur kam, für die er sich mehr Gutes von zwingenden Einflüssen der Not als von ihrer eigenen klaren Einsicht und von ihrem guten willen erhoffte. Die Zeit, deren Modexhilosoxhen Schopenhauer und Hartmann waren, muß jedenfalls auch an Mißstimmung und Hoffnungslosigkeit reich gewesen sein. Danach dürfen wir uns vielleicht nicht einmal sonderlich beklagen.
Immerhin sind die Pessimisten auch heutzutage zahlreich genug, um eine Gefahr zu bedeuten. Denn der Pessimismus ist stets eine Gefahr. Selbst unfruchtbar, lähmt er die Freudigkeit der Schaffenden. Selbst hoffnungslos, erschwert er auch anderen Glauben und Hoffen. Entweder spricht die große Müdigkeit aus ihm: „Alles ist eitel; es nutzt ja doch alles nichts. Die Menschen werden nicht besser." Oder er schlägt die frivole Tonart an: „Lasset uns essen und trinken und fröhlich sein, denn morgen sind wir tot. Jeder ist sich selbst der