Jahrgang 
1914
Seite
289
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Der Vortrupp

3. Jahrgang Nr. ^0 ^6. Mai WH

Druckfehlerberichtigung.

In dem AufsätzeMarburg" in Nr. 9 von 19 ist auf Seite 267, Zeile 4 von oben, hinter dem Komma irrtümlich und sinnstörend das Wortdas" gedruckt, anstatt des Wortesdie". Das betreffende Satz­bruchstück lautet also richtig so:wenn es gelten sollte, die segensreiche klare Absage an das Parteiwesen, die in den Marburger Beschlüssen enthalten ist ... . ." Hermann Popert.

Warum sollen wir Idealisten sein?

Die Leute, die unsre Zeit pessimistisch betrachten, sind sehr zahl­reich. wer irgendwo an irgend einem gemeinnützigen Werk steht, an der Lösung irgend einer idealen Ausgabe mittut, der kennt auch die Pessimisten, die diesen Werken und Ausgaben mißtrauisch, zweifelnd, oft sogar feindselig im Wege stehen. Es hat zu allen Zeiten Pessimisten gegeben, auch in solchen Zeiten, die wir heute als große und glänzende bewundern. Es ist darum schwer zu sagen, ob unsre Zeit pessimistischer gestimmt sei als andere, als beispielsweise die Zeit vor hundert Jahren, die ein Fichte selbst als dasZeitalter der vollendeten Sündhaftigkeit" bezeichnete, über deren Vielleserei, Oberflächlichkeit und Vergnü­gungssucht er klagte, und in der Kant, von der Annahme des radikalen Bösen ausgehend, zu einer recht ungünstigen Einschätzung der Men­schennatur kam, für die er sich mehr Gutes von zwingenden Einflüssen der Not als von ihrer eigenen klaren Einsicht und von ihrem guten willen erhoffte. Die Zeit, deren Modexhilosoxhen Schopenhauer und Hartmann waren, muß jedenfalls auch an Mißstimmung und Hoffnungslosigkeit reich gewesen sein. Danach dürfen wir uns viel­leicht nicht einmal sonderlich beklagen.

Immerhin sind die Pessimisten auch heutzutage zahlreich genug, um eine Gefahr zu bedeuten. Denn der Pessimismus ist stets eine Gefahr. Selbst unfruchtbar, lähmt er die Freudigkeit der Schaffenden. Selbst hoffnungslos, erschwert er auch anderen Glauben und Hoffen. Entweder spricht die große Müdigkeit aus ihm:Alles ist eitel; es nutzt ja doch alles nichts. Die Menschen werden nicht besser." Oder er schlägt die frivole Tonart an:Lasset uns essen und trinken und fröhlich sein, denn morgen sind wir tot. Jeder ist sich selbst der