Der Vortrupp
Z. Jahrgang Nr. 3 Februar
Die Frau und die Volksgesundheit.
i.
Es genügt nicht, daß man die Wahrheiten, die unsre Zeit als solche erkennt, immer wieder in Zeitschriften und Zeitungen veröffentlicht, sie müssen Allgemeingut werden. Und das können sie, wo es sich um Wahrheiten über das Leben und die Aufgaben der Frauen handelt, nur, wenn die Frau als Mitglied des Gemeinderates, des Schulkollegiums, des Kirchenrates sich Einfluß im Gemeindewesen erringt, um schon das heranwachsende Geschlecht mit diesen Gedanken zu erfüllen und zu ihrer Verwirklichung durch die Tat führen zu können.
Wer aber noch daran zweifeln sollte, von welch außerordentlicher Bedeutung die Teilnahme der Frau an dem Gemeindestimmrecht werden könnte, der wolle folgenden Erwägungen einmal seine Aufmerksamkeit widmen.
Die Zeit und die Ereignisse des Lebens in Verbindung mit den Ergebnissen der Wissenschaft haben uns Menschen gelehrt, es mit unsern Handlungen und Entschließungen, in Rücksicht auf die Folgen für uns und unsre Nachkommenschaft weit ernster zu nehmen, als es früher geschehen ist. Rückblicke auf das Tun und Lassen unsrer vorfahren zeigen uns, so hart und bitter es klingen mag, nicht wenige Fehler: in der Erziehung, in der Ernährung, in der Wahl, die bei der Ehe getroffen wurde. Und wir, die wir in einer Zeit besserer Erkenntnisse herangereift sind, haben einen doppelt schwierigen Standpunkt bei dieser Umwertung von Idealen und Grundsätzen zu vertreten, einen xeinvollen Übergang zu überwinden; ohne Vorwurf für die älteren Geschlechter, denen vergeben werden muß, weil sie nicht wußten, was sie taten, weil sie über wichtigste Faktoren menschlicher Kultur nachzudenken nicht gelernt hatten. Gleichzeitig liegt uns Aufgeklärten, die wir aus den alten Verhältnissen hervorgingen und unter dem unmittelbaren Einfluß ihrer Folgen stehen, die um so ernstere Pflicht ob, an der Verkündung neuer, bodenfester Volksideale mitzuarbeiten, an sozialen Aufgaben, die für spätere Geschlechter Selbstverständlichkeiten sein werden, während wir mühsam Brücken schlagen müssen zwischen Kontrasten und Konflikten von einst und jetzt.
Da gilt es, mit gestrafften Muskeln und Nerven an die Arbeit zu gehen. Und immer wieder. Mit unerschütterlichem Vertrauen und ungebrochenem Mut, trotz aller Bedenken, die das träge Wort „Utopie" auf