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1903: Erster Band
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Über die Landwirtschaft der Eingeborenen im Bezirk Kilossa.

Nach den Beobachtungen von Bezirksamtmann Lambrecht in Kilossa.

Im Bezirk Kilossa unterscheidet man eine trockene Jahreszeit, auf Kisagara «Kizua» genannt, in welcher es von Zeit zu Zeit auch etwas regnet, und eine Regenperiode. Eine kleine Regenzeit, die von der großen durch eine Trockenperiode getrennt ist, gibt es nicht.

Die trockene Jahreszeit währt etwa von Ende Juni bis Ende Dezember. Dann pflegt sich der Beginn der Regenperiode durch Gewitter und kleine Regenschauer anzukündigen. Dieser erste Regen ist für die Eingeborenen das Zeichen, ihre Felder, die im letzten Monat der Kizua schon soweit vorbereitet sind, zu bestellen und Sorghum und Mais, die beiden Hauptkulturen, auszusäen. Der erste Abschnitt der Regenperiode, in welcher gesät wird, währt nur etwa vierzehn Tage und heißt «Mpando». An die Mpando schließt sich die «Mlao», die Zeit, in welcher das Getreide mehreremal von Unkraut gereinigt wird und in welcher der Regen schon etwas häufiger und länger anhaltend aufzutreten pflegt. Diese Zeit währt bis gegen Ende März. Dann folgen einige Tage lang heftige Gewitter mit wolken­bruchartigen Regengüssen, auch ein Erdbeben wird häufig bemerkt, und dies ist der Anfang der eigentlichen Regenzeit, «Fuku» genannt. In dieser Periode, welche bis Ende Mai oder Anfang Juni währt, kommt kaum ein Tag ohne Regen vor. Gegen Ende der Fuku- zeit werden die Regen allmählich seltener und milder. Der Fuku- zeit. folgt die «Kipupwe»-Zeit, welche etwa einen Monat lang anhält und sich durch klare sonnige Tage und kühle, für tropische Ver­hältnisse oft kalte Nächte auszeichnet. Auch fällt des Nachts reich­lich Tau. Die Eingeborenen lieben die Kälte sehr, obwohl sie selbst darunter leiden, da sie nach ihrer Ansicht dem kurz vor der Ernte stehenden Sorghum die Kraft verleiht.

Berichte ü. Land- u. Forstwirtschaft i. Deutsch-Ostafrika. I. Band. 6. Heft. 28