Jahrgang
Nr. 23
Dezember
Die Forschungsreise des Afrikaners Hukanga Nukara ins innerste Deutschland.
Vierter Brief.*)
Mukama!
Dein königliches Herz erzürnt sich, weil ich Dir noch nicht schrieb, was die wasungu essen?
Großer und mächtiger Herr! Gebiete Deinem Volke zwei Tage Schweigen, damit das Furchtbare, das ich Dir jetzt erzählen werde, in Deinem Verstände j)latz finde: Die lVasungu sind Seelenesser, sind Kannibalen.
Sie vermischen die Nahrung, die die Erde spendet, mit Teilen verschiedener Tiere. Besonders Schweine, Rinder und Pferde werden getötet und in viele Teile zerschnitten und zerhackt.**) Hunde werden in einer Stadt mit Namen Halle geschlachtet und gegessen. Katzenfleisch wird nur heimlich unter die Nahrung gemischt. Niemand würde es kaufen, wenn jemand es anböte, deshalb wird es kleingeschnitten und mit anderen Fleischstücken in Tonnen gesammelt, dann wird es in Därme von Rindern hineingetan und verkauft. An einigen Grten vermischen sie es auch mit Mehl und Fett und essen es aus Muschelschalen. Nur Menschen dürfen nicht geschlachtet und gegessen werden.
*) Vgl. die drei ersten Briefe, „Vortrupp" Nr. 9, rl u. 47.
**) Lukanga gehört, wie dieser Brief zeigt, einem Negerstamme an, der von Früchten lebt. Es muß einem so lebenden Manne allerdings sonderbar vorkommen, daß gerade jetzt in Deutschland von Hungersnot die Rede ist, weil Fleisch teuer wurde.
Unseren Lesern der merkwürdigen Anschauungen Lukangas gibt es vielleicht zu denken, daß wirklich ganze Völker garkein Fleisch genießen, was uns ja wohl garnicht recht in den Aopf will. — Die Beobachtung Lukangas von der Hunde- schlachterei in Halle wird übrigens durch eine mir vorliegende Zeitungsnotiz bestätigt, worin es heißt, daß in Halle aus Anlaß der Fleischnot eine Hunde- schlachterei eröffnet wurde und starken Zuspruch erhielt. Hans j)aasche.