Jahrgang 
1912: 1912
Entstehung
Seite
545
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Der Vortrupp

^ Jahrgang Nr. ^8 ^6. September

DerVortrupp" und die Frauenbewegung.

wir wollen gerade jetzt, unmittelbar vor der großen Frauen- tagung zu Gotha, unsre Stellung zur Frauenfrage darlegen. Nicht etwa in dem Sinne, daß davon abweichende Meinungen über die Frauenfrage imVortrupp" nicht Platz finden dürften. Aber es scheint uns gut, eben einmal festzustellen, wie wir selbst die Heraus­geber und der Schriftleiter desVortrupp", in deren Namen ich spreche, in dieser Frage stehen.

Als ich nun aber daran ging, die Gedanken über die Sache zu ordnen, da sah ich bald, daß es unmöglich sei, sozusagen ein durch­gearbeitetes, systematisches Programm zur gesamter: Frauenfrage zu geben: das würde bedeuten, ganze Bücher zu schreiben. Es blieb nichts übrig, als etwas einzelnes herauszugreifen, etwas einzelnes, worüber ich auf dem beschränkten Raum, der mir zur Verfügung steht, verständlich reden kann; etwas einzelnes, das sich aber auch s o behandeln läßt, daß unsre Stellung zu manchen andern Dingen der Frauenfrage gleichzeitig klar wird.

Der jüngste Feind.

Ich hatte zunächst daran gedacht, über den Aufruf zu sprechen, den derDeutsche Bund zur Bekämpfung der Frauen-Lmanzipation" im Juni erlassen hat; ich habe dann aber bald gefunden, daß dabei nichts Brauchbares herausgekommen wäre. Denn eine Auseinander­setzung mit diesem Aufruf könnte deshalb Sachdienliches kaum er­geben, weil man eigentlich nur feststellen könnte, daß er sich gegen etwas wendet, was es gar nicht gibt: wenn da gegen die heutige deutsche Frauenbewegung vorgebracht wird, sie erstrebe diesche­matiche Gleichstellung von Mann und Frau", so zeigt das eine ganz seltsame Unkenntnis des Programms der maßgebenden deut­schen Frauenorganisation. Diese Organisation, derBund deutscher Frauenvereine", sagt nämlich in ihrem Programm ausdrücklich: Aus der Tatsache, daß die Geschlechter ihrem Wesen und ihren Auf­gaben nach verschieden sind, ergibt sich, daß die Kultur sich um so reicher, wertvoller und lebendiger gestalten wird, je mehr Mann

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