Der Vortrupp
Jahrgang Nr. 9 ^ TNai M2
Die Forschungsreise des Afrikaners Lukanga Mukara ins innerste Deutschland.
Vorwort des Herausgebers.
Auf meiner letzten Reise nach Innerafrika besuchte ich ein uner- schlossenes Land, das eine eigene, alte, von europäischer weit abweichende Kultur hat. In seiner wunderbaren Abgeschlossenheit bewahrte dies Land bis in unsere Tage Zustände und Volkssitten, die zum vergleich mit der eigenen Denkart, der eigenen „Kultur" anregen. Ich konnte mich bisher nicht entschließen, über dies Land etwas zu veröffentlichen. Schien es mir doch, als genüge eine Reise von kaum fünf Monaten in jenem Lande nicht, um aus einen ganz vorurteilsfreien Standpunkt zu kommen. Ich brachte den Eindruck mit heim, daß unerschlossene Länder und Urvölker für uns ein Segen seien, weil wir an ihnen, die alle Errungenschaften unserer Kultur nicht kennen und nicht entbehren, die unsere Vorzüge nicht haben, aber auch von unseren Fehlern und Gewohnheiten frei sind, lernen können, uns selbst besser zu erkennen. Es blieb bei mir bis jetzt im wesentlichen bei diesem Bewußtsein. Fern lag es mir noch, mit solchen Betrachtungen hervorzutreten und zur Kritik unserer Zustände aufzufordern. Da fügt es ein ungewöhnliches Ereignis, daß mir meine Ausgabe offenbar abgenommen wird.
Ein Neger, den ich am Hofe des Königs Ruoma traf, ist meiner Anregung gefolgt und hat sich von dem Herrscher des Landes Kitara den Auftrag geben lassen, Deutschland zu bereisen. Lukanga Mukara ist, wie sein Name sagt, ein Mann, der von der Insel Ukara im Viktoriasee stammt. Er ist frühzeitig von der übervölkerten Insel nach der Nachbarinsel Ukerewe ausgewandert und hat dort bei den „weißen Vätern" Lesen und Schreiben gelernt. Dann ist er auf einer Reise dem f)ater, den er begleitete, entlaufen und bei Ruoma, dem König
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