Der Vortrupp
I. Jahrgang Nr. 7 I. April W2
Der reine Teint..
wenn ein guter Beobachter jetzt aus fernern Lande und aus anderer Zeit gekommen wäre und auf einer Wanderung durch Deutschland auch in den großen Berliner Frauenkongreß hinein gesehen hätte, dann wäre ihm gewiß aufgefallen, daß hier taufende von Menschen zusammen waren, die alle klare Augen und reinen Teint hatten. Es wäre ihm aufgefallen. Denn so etwas sieht man in Deutschland in solchem Maße nur in einer Frauenversammlung. Zu viele der jetzt lebenden deutschen Männer stehen im Banne von Lebensgewohnheiten, die ihre Hautgefäße lähmen und röten, die Gesichtszüge vergröbern, das Auge trüben, ihre Gestalt entstellen, (wer dafür noch keinen Blick hat, der stelle sich öfter folgende kleine Aufgabe:
der Konzertsaal oder Versammlungsraum, das Kommerslokal oder das Parlament, in dem man sich gerade aufhält, liegt dreitausend Meter von einem j)ax>xelgehölz entfernt, in dem feindliche Infanterie lagert. Der Feind soll aus seiner Stellung gedrängt werden. Man lasse deshalb die Männer, die in dem Saal sind, antreten.-!)
Der reine Teint ist es, der die Frauen auszeichnet. Sie sind zum größten Teil noch frei von Lebensgewohnheiten, die den Menschen in seinem Äußeren und in seinem Denken verändern, und können deshalb unbefangen beurteilen, was für das Wohl des Menschen gut und schlecht ist.
Der reine Teint ist zugleich das Wahrzeichen des Vorurteilslosen. Mit diesem Zeichen steht und fällt die Frauenbewegung. Solange sie frei bleibt von Vorurteilen, hat sie der Menschheit Großes zu bringen.
was werden die Frauen bringen? „Nicht den Himmel auf Erden", sagte Helene Lange, und so selbstverständlich dieser Satz klingt, so unangebracht war es, ihn gerade im Hinblick auf die Frauenbewegung auszuforschen. Kann man doch von jeder geistigen Be-