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1912: 1912
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Volkserziehung im Schnee.

Der mangelnde Gemeinsinn ist ein Lntartungsmerkmal.

Mathias Zdarsky.

Von denen, die in den ersten Februartagen dieses Jahres von Breslau, Brünn oder Berlin nach der Grafschaft Glatz reisten, mn dort irn Schnee den Stemmbogen zu lernen, haben nur wenige gewußt, was ihnen bevorstand. Und wer es wußte, durfte es nicht laut sagen, ohne ein Achselzucken zu ernten.Sie wollen Winter­sport treiben?" Am Besten antwortete man mit:Jawohl", und behielt seine heimliche Liebe für sich. Denn man wäre ausgelacht worden, wenn man gesagt hätte:ich will helfen, dem Volke eine bessere Zukunft bringen, will, daß der deutsche Mensch wieder das werde, was ., will...." Unter Skilauf denken sich die meisten Menschen nichts weiter als eins der Wintervergnügen der soge­nannten wintersportxlätze. Eine der vielen Arten des Hinab- gleitens über Schnee und Eis, vor den Augen wintermodisch gekleide­ter Gaffer, wer sich beeilen will, es besser zu wissen, der merke sich den Namen Mathias Zdarsky genau und erfahre heute, daß es seit sechzehn Jahren eine alpine Skifahrtechnik gibt, einen deutschen Ski- lauf, der dem Volke das winterliche Gebirge erschließt, die Menschen, junge und alte, aus den Höhlen herausholt, in denen sie bisher über­winterten und die Wälder bei Schneesturm und Rälte mit frohen Touristen belebt.

Es klingt wie ein Märchen. Ein deutscher Turner und vielseitig gebildeter Mann erwarb im Gebirge ein Anwesen, um dort in Berg­einsamkeit ungestört seinen wissenschaftlichen und künstlerischen Ideen leben zu können. Schneereiche Winter und die Runde von Nansens Skifahrt durch Grönland brachten ihn auf den Einfall, den Skilauf zu lernen. Ohne Lehrmeister lernte er die Bretter lenken. Er übte allein, ohne einen anderen Skiläufer zu sehen, sechs Winter hindurch. Er konstruierte sich über zweihundert verschiedene Bin-

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