Der Vortrupp
^ Jahrgang Nr. H ^6. Februar ^912
Hemmnisse der Volksgesundheit.
Man sollte glauben, daß alle Bestrebungen zur Hebung, der Volksgesundheit heutzutage bereits überall freie Bahn hätten, daß sie keine wesentlichen Widerstände und Hemmungen mehr finden könnten, als höchstens solche, die in Trägheit, Schwäche und Dummheit des Menschengeschlechts begründet wären. Doch ist dem keineswegs so!
Bekannt ist dem Leser des Vortrupps die Macht des Alkohol- kapitals. Hierüber wollen wir heute jedoch kein Wort weiter verlieren. wo Geld zu verdienen ist, das bekanntlich niemals riecht, da kommt ja die Volksgesundheit nicht in Frage.
Auch die sonstige Großindustrie fragt nur dann nach Förderung der öffentlichen Gesundheit, wenn sich deren Ziele zufällig einmal mit ihrem eigenen Interesse vereinigen lassen. Ich erinnere an die B e k l e i d u n g s i n d u st r i e, die mehr von der launischen und exzentrischen Tyrannin Mode, als von der einfachen und natürlicher: Göttin H'fgieia beherrscht wird und sich daher immer nur unwillig gesundheitliche Rücksichten abringen läßt. Noch schlimmer steht es mit der T a b a k i n d u st r i e, die zurzeit besonders durch die Zigaretten unsre Jugend an Geldbeutel und Gesundheit tributpflichtig macht und die Lungen der gesamten Arbeiterbevölkerung, bis zum Säugling in der wiege, in Mitleidenschaft zieht. Unerfreulich ist es auch um das heutige Fleischerei- und wnr st - macher-Gewerbe bestellt, das unter liebevollster Fürsorge der kommunalen Gesundheitspflege sich zu solchem Riesenbetrieb entwickelt hat und nun in den Marmorhallen seiner Schlachtfleisch- und Wurstläden allabendlich bei einer Flut elektrischen Lichtes die Volksmassen wie Mottenschwärme heranzieht — Volksmassen, die es dann zwingt, ihm für seine Produkte preise zu zahlen, die mindestens fünfmal über den wirklichen Nahrungswert hinausgehen, wie bescheiden muß sich daneben noch zumeist der M b st - undGe- müsehandel irr dunkle Keller verkriechen; ihm blüht noch kein staatliches Interesse, und von feiten der Wissenschaft höchstens Duldung für seine noch immer unter dem Makel des „geringen Nähr-