Volume 
1912: 1912
Place and Date of Creation
Page
65
Turn right 90°Turn left 90°
  
  
  
  
  
 
Download single image
 

Jahrgang

Nr. 3

Februar M2

Jung Deutschland.

In afrikanischer Sonne marschiert ein Trupp bewaffneter Männer. !Vild sehen sie aus. Ihre Anzüge sind erdfarben und erinnern kaum an Uniformen. Die Ledertaschen sind bequem umgehängt. Der Führer ist der überhaupt ein Führer zu nennen? trägt einen schilfleinenen Iagdanzug, keine Abzeichen; einen Schlapphut. Er hat keinen Säbel, trägt selber über der Schulter ein Gewehr, geht an der Spitze der kleinen Truppe, die im Gänsemarsch dem schmalen j?fad durch den Busch folgt, und sieht aufmerksam auf den Weg und die Landschaft.

Da zuckt eine unscheinbare Bewegung zwischen den Stämmen des nächsten Hügels. Ohne Zögern duckt sich der Offizier zur Seite im Grase nieder. Ohne Befehl ist die ganze Truppe vorn Wege ver­schwunden, und die Soldaten kriechen selbständig in der Deckung vor­wärts, bis sie, dem winke des Führers folgend, eine Schützenlinie seitlich vom Wege gebildet haben.

Der Vorgang ist bezeichnend. Eine merkwürdige Disziplin be­herrscht diese Truppe. Rein hartes Wort fällt, nie reizt den Führer und die Unterführer eine böswillige Miene. Gutwillig scheinen alle zu sein, die dieser Truppe angehören, selbständige Menschen, und wenn ein kurzer, zwingender Befehl gegeben wird, dann ist es, als käme der Befehl jedem einzelnen von innen heraus.

Nicht immer bot die Truppe das Bild. Als sie zuerst auf dem Boden der Wildnis stand, herrschte noch die Geste des Drills, die Disziplin der Oberfläche. Hell und bunt waren die Uniformen, metallen blinkten die Rnöpfe und Abzeichen. Laut klappten die Absätze zusammen, und dasIawoll, Herr Oberleutnant" wurde, wie ein Donnerschlag, als sei es nur eine Silbe, herausgebracht. Aber da stand ein Feind gegenüber, der sich den Falten der Natur wie ein Schatten anzupassen wußte, und dem helleuchtende Uniformen und strammstehende Männer die besten Zielscheiben waren.

1