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er Vortrupp
Jahrgang Nr. 2 ^6. Januar W2
Wahl.
Die Hauxtwahl ist vorüber. Aber die Stichwahl steht bevor, und wer die folgenden Gedanken teilt oder wen sie überzeugen, der wird wahrscheinlich finden, daß er sie gerade bei der Stichwahl besonders leicht und besonders wirksam zu Taten machen kann.
An der Spitze unsres Programms stehen die Sätze: „Das Deutschtum unsrer Zeit ist das Deutschtum der werdenden, wer diesem Deutschtum dienen will, muß dem werdenden dienen: allem Gesunden, was in unserm Land und Volk wächst und wird." — wie übt jemand, der diese Gesinnung hat, sie bei den Wahlen zum Deutschen Reichstag, jetzt im Januar durch die Tat aus?
Bei den Wahlen zu den Volksvertretungen ringen Gedankenrichtungen miteinander um die Macht, Gedankenrichtungen, die wie Ströme durch die Geister der Volksgenossen fließen. Keiner dieser Ströme fließt für ewige Dauer; mit den wechselnden Zeiten ändern sich die Quellen, wo sie entspringen: manche Quelle versiegt, manche bricht neu auf, so werden auch die Ströme selbst anders und andre. Die Zeit liegt noch nicht allzulange hinter uns, wo so eine Änderung, eine entscheidende, gerade bei uns in Deutschland eintrat; daß sie vollzogen war, kam den Deutschen wohl zuerst ins Bewußtsein bei der Reichstagswahl ^878.
Vor dieser Änderung hatten sich die Geister geschieden nach Gedanken und Gefühlen über das Verhältnis des Menschen zu den politischen Gewalten der Erde. )m berühmten Jahre ^8H8 standen im Parlament der ssaulskirche zu Frankfurt am Main die „Großdeutschen" gegen die „Kleindeutschen", die „Erbkaiserlichen" gegen die „Demokraten". — „Demokraten" gab es damals auch in der preußischen Nationalversammlung zu Berlin, ihre Gegner hießen dort „Realisten". Der große Militärkonflikt, der dann in den
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