Der Vortrupp
2. Jahrgang Nr. ^5 August W3
Wehrkraft und Rüstung.
Herr von Bethmann Hollweg, der Kanzler des deutschen Reiches, hat, als er die neue Wehrvorlage begründete, am 7. April im Reichstage gesagt:
„Die Weltgeschichte kennt sehr viele Völker, die verkommen sind, weil sie über Wohlleben und Luxus ihre wehrhaftigkeit vernachlässigt haben."
wenn solche Worte gesagt werden, um eine bedeutende Vermehrung der aktiven Truppen zu begründen, dann ist als stille Voraussetzung genommen, daß Wohlleben und Luxus im Heere keine Stätte haben. Es ist weiter damit die Grundansicht ausgesprochen, daß die wehrhaftigkeit durch Wohlleben und Luxus beeinträchtigt werde.
Daraus ergeben sich einige wertvolle Schlüsse, wir wissen nunmehr, daß auch nach der Ansicht des deutschen Reichskanzlers jeder, der ein einfaches Leben führt, die Wehrhaftigkeit seines Volkes erhöht. Es ist dabei gleichgültig, ob er dem Heere angehört oder nicht, ja, wer, ohne Soldat zu sein, einfach lebt und seine Kräfte übt, der erspart sogar dem Staate die Kosten jener Schulung zur Einfachheit. Und wir haben ferner einen Maßstab, mit dem wir den Wert der Armee messen können.
Da der Kampf gegen Wohlleben und Luxus eine sehr wichtige Sache ist, darf man wohl die Frage stellen, was die Armee dafür tut, eine Schule der Einfachheit zu bleiben? Und man hörte gerne, wie denn die Armee daran arbeitet, ihre wichtige Aufgabe auch weiter zu erfüllen?
Der Deutsche, selbst vom Luxus besiegt, sieht auf die Armee als auf die rauhe Schule der Einfachheit, und hofft, daß seine Fehler durch die Tüchtigkeit der Armee ausgewogen werden. Er sagt sich: )st die Armee eine Schule der Einfachheit, dann sind bei ihr auch die feindlichen Mächte bekannt, welche die Einfachheit untergraben, dann ist bei ihr auch die Taktik bekannt, mit der diese Mächte bekämpft werden.
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