Der Vortrupp
2. Jahrgang Nr. 2 ^6. Januar
Das Vaterland hat gerufen.
Kämpfer im Vortrupp, du weißt, was du tust, wenn es dir zu bunt wird und du in Gefahr kommst, dem Vorurteil der Allzuvielen zu erliegen und vom Wesen der Dinge abgelenkt zu werden: du holst deine Bretter vom Boden und gleitest hinaus und hinaus über den Schnee bis dorthin, wo du zwischen beschneiten Tannen unterm blauen Himmel allein bist.
Tue das heute, vernimm den Frieden, der in den Zweigen der Tannen wohnt, sieh die Meise im Busch, die Amsel am Rande des eisigen Bergbachs und gleite wieder hinab in die Ebene, wo die Menschen zwischen ihren Höhlen hin und hergehen, was hörst du jetzt dort? „Es gibt Krieg". So hieß es schon vor Wochen und Monaten. So hört man es noch immer.
Die Offiziere wissen es von den Banken. Da geht irgend etwas vor sich, was man als Laie nicht versteht, was aber aus Krieg deutet. And die Bankbeamten wissen es von den Offizieren. Da müssen geheime Befehle gekommen sein; denn daß der und jener Truppen- verband vor Weihnachten eine Übung machte, das ist etwas Ungewöhnliches. Und der einfache Mann, der seine Feldsrüchte verkauft, hofft damit fertig zu sein, „wenn das Vaterland ruft".
Viele haben also die feste Überzeugung, daß es Krieg geben müsse, wie etwas Unabwendbares schwebt es den Menschen vor, und manche bezeichnen es nicht einmal als ein Unglück, sondern als ein Glück, wenn Krieg kommen werde. Diese sagen sogar: „Es muß erst einmal ein unglücklicher Krieg kommen und" — aus diesen Zusatz kommts uns an — „den Luxus zerstören, die Menschen wieder zu vernünftigem Leben bringen". Das also soll die Ausgabe des Krieges sein.
Nehmen wir diese Leute bei ihrem Wort. Sie sagen, der Luxus sei unerträglich geworden, es könne so nicht weiter gehen, es müsse ein Eingriff von außen kommen, damit das Volk wieder vernünftig werde. Sie richten damit alle Kriegssreunde und Kriegshetzer als
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