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II. Kamerun.
Mit einer Karte.)
In der Mitte des vergangenen Jahres war es den deutschen Truppen gelungen, den von Eden auf Jannde angesetzten Vormarsch starker englischer und französischer Streitkräfte zum Stehen zu bringen. Dank dem für den Gegner überraschenden Eingreifen in Eilmärschen herangezogener Teile der bisherigen Westabteilung unter dem Hauptmann Adametz gegen den linken feindlichen Flügel bei Ngok wurden sodann die feindlichen Truppen bis an den Ngwe zurückgeworfen. Ihn auch zur Räumung der an den Fluß gelehnten starken Stellung zu zwingen, gelang zwar nicht, doch verhielt sich der stark geschwächte Gegner für längere Zeit untätig. Dieser Erfolg ermöglichte es der deutschen Leitung, einige Kompagnien von diesem Kriegsschauplatz fortzuziehen und sie der gegen übermächtigen Andrang am Kje, Mein und Kom hart ringenden Südabteilnng unter Hauptmann v. Hagen zur Unterstützung zu senden.
Im Südosten hatten die deutschen Truppen nach dem Fall der Monso-Stellung am 31. Mai 1915 nicht mehr vermocht, Lomie zu halten. Nach Zerstörung der Station hatten sie sich an den oberen Dscha zurückgezogen, dessen Linie sie gegen nachdrängende Teile der Sanga-Kolonne hielten. Der Führer dieser Kolonne, Oberstleutnant Hutiu, hatte auch aus der von Lomie überAlade- Makei au den Dscha und weiter nach Sangmelima führenden Straße eine Abteilung in anscheinender Stärke von vier Kompagnien entsandt. Doch auch hier vermochten die deutschen Sicherungen, Teile der Abteilung des Hauptmann Liebe, die Flußlinie zu halten, wie diese Abteilung auch den Ansturm französischer Truppen von Minkebe auf Akoafim bislang zurückgewiesen hatte.
Im Osten hatte Ende Juni die französische Lobaje-Kolonne unter dem Oberst Morisson mit starken Kräften den Kadei überschritten und die fünfte Kompagnie hinter den Nsingi-Fluß gedrängt. Nachdem am 21. Juli nach zweitägigen Kämpfen auch diese Stellung vom Gegner genommen war, zogen sich die deutschen Truppen nach Räumung und Zerstörung von Dnine und Abong-Mbang auf die Ajong-Linie zurück, llm so dringender war dieser Rückzug geboten, als durch das Vordringen der Truppen des Oberstleutnant Hntiu an den oberen Dscha die rückwärtigen Verbindungen der Ostabtcilung bereits gefährdet waren.
Auf dem nördlichen Kriegsschauplatze waren wenige Tage nach der Übergabe von Garua eine vom Oberstleutnant Webb Bowen geführte, aus je zwei englischen und französischen Kompagnien
bestehenden Kolonne nach Ngauudere marschiert und hatte den militärisch wichtigen Platz besetzt. Dieser fliegenden Kolonne waren weitere Truppen unter Oberstleutnant Brisset am 23. Juni gefolgt. Ihnen waren fünf Geschütze beigegeben, darunter das 95-inin-Geschütz, das Garuas' Fall vor allem herbeigeführt hatte. In Garua waren als Besatzung zwei englische Kompagnien unter einem französischen Hauptmaun als Kommandanten zurückgeblieben.
Der Besetzung von Ngauudere war bald diejenige von Tingere gefolgt. Der Feind hatte mit starken Kräften auf dem Nordraud des Kameruner Hochlandes Fuß gefaßt; vor ihm mußten sich die schwachen, an Zahl weit unterlegenen deutschen Truppen anf Tibati zurückziehen. Der rasche Vormarsch des Gegners in dieses Gebiet wird erklärlich, wenn man erfährt, daß ein chiffrierter Befehl des Oberstleutnants Zimmermann in feindliche Hände gefallen ist, der die Anweisungen für eine etwaige Zusammenziehung der deutschen Truppen auf dem Ngaundere-Hochlande enthielt. Diesen Plan, dein die Absicht zugrunde lag, die zahlenmäßige Überlegenheit des Feindes durch Ausnutzung der inneren Linie auszugleichen, hatte der Feind durch die Besetzung von Ngauudere durchkreuzt; er war aber schon seit der Übergabe von Garua hinfällig geworden, zumal da die hier verlorenen Geschütze, und die Bestände an Munition und Ausrüstung nicht zu ersetzen waren — ganz abgesehen von dem Verlust, den die Gefangennahme der verhältnismäßig starken Besatzung von Garua bedeutete. Gegen den vorerwähnten Plan sprach zudem die große artilleristische Überlegenheit des Feindes, die vor Garua so augenfällig geworden war und auch den Fall der Monso-Stellung herbeigeführt hatte. Sie hätte sich natürlich in den übersichtlichen Steppengebieten des Hochlandes weit mehr bemerkbar gemacht, als in den Ürwäldern des Jannde-Landes. Oberstleutnant Zimmermann entschloß sich daher zur Aufgabe seines ursprünglichen Planes und verlegte die Basis der Verteidigung in den Jaunde-Bezirk. Mitbestimmend für diesen Entschluß war wohl der Wunsch, die wichtige Verbindung mit Bata im Muni-Gebiet zu sichern. Große Truppen- verschiebungen, die an die Kräfte von Soldaten und Trägern infolge der Ungunst der Regenzeit besondere Anforderungen stellten, waren die natürliche Folge des abgeänderten Planes. Im Westen wurde nur ein dünner Schleier und im Norden wurden nur die znr Sicherung der von Gaschaka und Kontscha auf Banjo führenden Paßstraßen unbedingt nötigen Truppen belassen. Als Rückhalt für diese wurde bei Banjo eine Bergstellung ausgebaut und für längere Einschließung ausgerüstet. Die bei den West- und Nordabteilnngen