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Siebente Mitteilung.
(Soudcrnbdruck aus „Deutsches Kolonialblntt" ?,r. 4/8, 1916.) (Hierzu eine Karte.)
I. Ostafrika.
In der letzten Veröffentlichung konnte auf Grund der bis dahin bekannt gewordenen amtlichen Nachrichten über die Ereignisse in Deutsch- Ostafrika bis gegen Ende Juli v. Js. berichtet werden. Darüber hinaus lagen nur einige Meldungen aus feindlichen Quellen vor, die zum Teil ihre Bestätigung oder Ergänzung und auch Berichtigung durch später eingetroffene amtliche deutsche Mitteilungen fanden; sie werden in nachstehenden! erwähnt werden.
Über die Ereignisse an den Grenzen von Deutsch-Ostafrika iu den letzten Monaten liegen nur spärliche Nachrichten vor. Diese stammen außerdem alle aus feindlichen Quellen.
Wenn auch in diesen Meldungen meist mehr verschwiegen wie verkündet wird, so geht so viel doch aus ihnen hervor, daß, wo auch immer es zu Kämpfen gekommen ist, diese sich alle wieder auf außerdeutschem Gebiet und meist auch zu unseren Gunsten verlaufend abgespielt haben. An einer Stelle allerdings wollen die Engländer in deutsches Gebiet eingedrungen sein; sie behaupten, den Longidoberg ohne ernsten Widerstand zu finden und trotz schweren Regens besetzt zu haben.
Im einzelnen können wir wie bisher die Ereignisse in der örtlichen Reihenfolge: Küstengebiet, Nordostgrenzgebiet, Victoriasee und Umgebung, West- und Südwestgrenzgebiet betrachten.
Küstengebiet.
In der sechsten Mitteilung hatten wir die Meldung des englischen Oberkommandierenden des Kapgeschwaders gebracht, wonach am 17. August v. Js. ein in Daressalam liegendes deutsches Schiff durch das Feuer der englischen Kreuzer vollständig zerstört wurde und am 18. ein Teil des Geschwaders Tanga besucht und u. a. sich durch besonders gute Schießleistungen hervorgetan habe.
Unsere Zweifel an der Richtigkeit dieser englischen Meldungen haben sich als berechtigt erwiesen. Etwas anders hat sich die Sache doch abgespielt. Die amtliche deutsche Meldung besagt darüber folgendes:
„Am 17. August 1915 vormittags erschienen der englische Kreuzer „Hyazinth" und drei armierte Walfischfänger vor Daressalam, feuerten ohne ersichtlichen Zweck 62 Schuß auf die Hafeneinfahrt und fuhren 1 Uhr wieder ab. Am 19. August griffen „Hyazinth", zwei Monitore und sechs Walfischfänger Tanga an. Ein Monitor und ein Walfischfänger drangen 7^ Uhr vormittags schießend in den inneren Hafen, erhielten jedoch von unseren Geschützen mehrere Treffer und zogen sich darauf 8 Uhr 10 Min. zurück. Ein Monitor wurde schwer beschädigt. Der Dampfer „Markgraf" und das Zollgebäude wurden in Brand geschossen. Sonst wenig Schaden und bei uns keine Verluste. Die englischen Schiffe fuhren 8 1/2 Uhr nach Süden ab."
Von der Zerstörung eines deutschen^Schiffes in Daressalam durch das Feuer englischer Kreuzer kann also keine Rede sein. Zwar ist ein deutsches Schiff bei Daressalam versenkt worden; das geschah aber ohne Wissen und Zutun der englischen Kreuzer. Die Schilderung des Angriffs auf Tanga, namentlich die überlegene Schießknnst hat sich als eitle Prahlerei erwiesen.
Von sonstigen Unternehmungen an der Küste verlautet nichts. Nach den oben geschilderten Heldentaten scheinen sich die englischen Schiffe wieder lediglich dem Blockadedienst zu widmen.
Nordostgrenzgebiet.
Mit Ausnahme von zwei Einzelfällen am Longidoberg spielen sich alle kriegerischen Ereignisse in dieser Gegend auf englischem Boden ab. Nach wie vor sehen wir Abteilungen der Schutztruppe in der Richtung auf die Ugaudabahn und deren Nebenstrecken erfolgreiche Vorstöße ausführen. Nach den allerneuesten Nachrichten, allerdings feindlichen, hat es sogar den Anschein, als ob eine stärkere deutsche Truppe bis zur Ugandabahn bei Voi vorgedrungen wäre und sich dort festgesetzt gehabt habe. Eine Reutermeldung vorn 15. Februar sagt nämlich:
„Am 7. Januar griffen englische Flugzeuge zwei feindliche Lager bei Voi an der llgnnda- bnbn au."