Dritte Mitteilung.
(Sonderabdruck auZ „Deutsches Kolonialblatt" Nr. 6, ISIS.)
I. Deutsch-Ostafrika.
Konnte schon auf Grund der ersten amtlichen Mitteilungen des Gouverneurs von Dentsch-Ost- afrika, die mit dem 16.Oktober v.Js. endeten, gesagt werden, daß die Kriegslage in dieser Kolonie ein durchaus erfreuliches Bild zeige, so ist dies nach den neuerdings eingetroffeneu weiteren Nachrichten noch in weit höherem Maße der Fall. Wir haben inzwischen erfahren, daß die Versuche der Engländer, in Ostafrika einzudringen, mit für sie schweren Verlusten gescheitert sind, daß darauf schon Ende November ganz Ostafrika frei vom Feinde war und sogar noch Teile englischen Gebietes von unseren Truppen besetzt worden sind.
Das Wichtigste aus den seit Abschluß unserer zweiten Mitteilung eingegangenen Meldungen des Gouverneurs wurde bereits seinerzeit durch die Tagespresse der Öffentlichkeit übergeben. Nachstehend seien die betreffenden Ereignisse im Zusammenhang geschildert.
Einleitend sei bemerkt, daß die Engländer in ihrem ostafrikanischen Schutzgebiet anscheinend Schwierigkeiten mit Teilen ihrer farbigen Truppen zu überwinden haben. Schon in den ersten Mitteilungen des Gouverneurs von Deutsch-Ostafrika war erwähnt, daß die englischen Wasuaheli- Askari, also eingeborene Soldaten, wie sie auch den größten Teil unserer Schutztruppe bilden, sich weigern sollten, gegen uns zu kämpfen. Jetzt berichtet der Gouverneur, daß es in Mombasa, der Hafenstadt Britisch - Ostafrikas, zu einer Revolte indischer Truppen gekommen sein soll, wobei zahlreiche Inder und Europäer gefallen seien. Was die Veranlassung hierzu gab, läßt sich natürlich noch nicht überblicken. Möglich ist es immerhin, daß auch nach der ostafrikanischen Küste bereits Nachrichten von der Verkündung des heiligen Krieges gelangt sind, die auf die mohammedanischen Wasuaheli und indischen Truppenteile des gleichen Bekenntnisses eingewirkt haben. Möglich ist auch, daß für die Weigerung der englischen Wasuaheli-Askari ihre in den ersten Zusammenstößen mit den unter deutscher Führung kämpfen- den Stammesbrüdern gemachten Erfahrungen ausschlaggebend waren. Auffallend ist es jedenfalls, daß in sämtlichen englischen Gefechtsberichten niemals von den eigenen eingeborenen farbigen Truppen (Wasuaheli) die Rede war, und daß gegen Ende Oktober neue indische Truppen, und zwar solche aus dem Pendschab, und sogar europäische Truppenteile von Indien herübergeholt wurden.
Am 29. Oktober erschien einer der auf dein Victoriasee befindlichen englischen Dampfer vor dem am Westufer des Sees liegenden Ort Bukoba, Sitz der Verwaltung des Bezirks gleichen Namens, und beschoß zwei Stunden lang die dortige Funke n- station. Letztere wurde nur leicht beschädigt und war kurz nachher wieder betriebsfähig.
Am 31. Oktober wollte eine Expedition unserer Schutztrnppe von Muansa, am Südufer des Victoriasees, auf dem kleinen Dampfer „Muansa" und einigen Dhaus (kleinen Segelschiffen) auslachen, wurde aber in Nähe der Küste von einem sich nahenden englischen Dampfer gestört. Während nun „Muansa" ihre Fahrt fortsetzte, kehrten die Dhaus, und zwar eine sofort, die anderen nach Zwischenlandungen auf küstennahen Inseln, sämtlich unversehrt nach Muansa zurück. Ihre Beschießung seitens des englischen Dampfers war erfolglos geblieben.
Im Anschluß hieran machten die Engländer bei Kajanga am Spekegolf (im Südosten des Victoriasees) einen Landungsversuch, der jedoch abgewiesen wurde. Die kleine „Muansa" kehrte am 2. November ebenfalls zurück, ohne feindlichen Schiffen begegnet zu sein.
Der Ort Muansa ist Sitz der Verwaltung des gleichnamigen Bezirks und verfügt, ebenso wie das vorhergenannte Bukoba, über eine Funkenstation. Wie dort, so hatten die Engländer es anscheinend auch hier auf die Zerstörung der Funkenstation abgesehen. Da ihnen das Unternehmen infolge der für die Verteidigung günstigen Hafenverhältnisse von der Seeseite aus wohl zu riskant war, versuchten sie es mit einer Landung weiter außerhalb des Ortes, die jedoch mißglückte. Bezeichnend für den Mut der englischen Streitkräfte ist es auch, daß sie die kleine, nur 34 Reg.- Tons große „Muansa" mit ihrem eigenen, mindestens 600 Reg.-Tons großen Dampfer nicht angriffen, sondern sich gegen die schwerfälligen Dhaus wandten. Wahrscheinlich scheuten sie sich, mit der „Muansa", die ein Geschütz führt, anzubinden, in Erinnerung daran, daß diese am 15. September in der Kärungubucht nördlich Schirati die 600 Reg.-Tons große „Sybill" stark beschädigt und zur Flucht gezwungen hatte.
Es sei hier erwähnt, daß die Engländer auf dem Victoriasee fünf große Schiffe in Dienst haben. Von diesen fassen die beiden älteren, „Sybill" und „Winifred", je 600 Reg.-Tons, „Element Hill", „Nyansa" und „Kavirondo" sogar je etwas über 900 Reg.-Tons.