Jahrgang 
1915
Seite
20
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vorhandenen Gewehren bewaffnet wurden. Die Station Tafaigata wurde militärisch beseht und der Rest der Mannschaften sollte im Falle von Unruhen unter den Eingeborenen und Chinesen Verwendung finden. Am 5. August nachmittags fand dann ein Kriegsrat statt, zu dem der Gou­verneur die Beamten und dienstpflichtigen Euro­päer hinzuzog. Es wurde beschlossen, die Kolonie im Falle eines feindlichen Angriffes ohne Wider­stand zu übergeben, da ein solcher unter den ge­gebenen Verhältnissen aussichtslos erscheinen musste. Die wenigen Europäer sowie die geringe Anzahl der farbigen Polizisten würden im Falle eines Angriffes nicht in der Lage gewesen sein, längeren Widerstand zu leisten, ein Widerstand hätte also nur unnützes Blutvergießen und wahr­scheinlich die Zerstörung der Stadt Apin durch feindliche Kriegsschiffe znr Folge gehabt.

Alle wichtigen Dinge, die für den Feind von Vorteil sein konnten, wurden beseitigt.

Weitere unmittelbare Nachrichten aus dem Schutzgebiete liegen hier nicht vor. Über Amerika erfuhren wir am 6. September, das; am 2!). August britische Seestreitkräste Apin, den Sitz der deut­schen Verwaltung Samoas, ohne Widerstand be­setzt hätten, und das; dort eine vorläufige Verwal­tung von den Engländern eingerichtet worden sei. Über die Besetzung selbst sind genauere Beschrei­bungen in australischen bzw. neuseeländischen Zeitungen erschienen. Dem hierher gelangten australischen BlatteÜbe UritisU ^.emtrglusiun" vom 17. und 24. September entnehmen wir folgendes:

Nach dem Berichte eines nach Australien zu­rückgekehrten Truppentransportschiffes lief ein englisches Kriegsschiff, das die weiße Flagge führte, gleichzeitig mit dem Transportdampfer in den Hafen von Apia ein. Der Gouverneur war nicht anwesend; sein Stellvertreter verweigerte trotz der

numerischen Überlegenheit der Angreifer die Über­gabe. Der Gouverneur befand sich während dieser Zeit im Gebäude der drahtlosen Telegrnphen- station in T n f a i g a t a. Die britischen Truppen wurden an Land gebracht und besetzten die Stadt Apin, von den Eingeborenen angeblich freundlich begrüßt. Nach einem weiteren Berichte war den Soldaten der Expcditionsabteilung bei ihrer Ab­fahrt über das Ziel ihrer Fahrt nichts bekannt. Lediglich die Anwesenheit verschiedener ehemaliger Samoabewohner ließ darauf schließen, das; es nach Samon ging. Am Sonntag, den 29. August, landete man in Apin und am 90. August erfolgte die feierliche Proklamation der Besitzergreifung Samoas durch die Engländer in Gegenwart des Seeoffizierkorps, der Land- und der Seemacht, der Eingeborenenhäuptlinge und der Residenten. Zum Gouverneur wurde Colonel Logan er­nannt. Gouverneur Dr. Schnitz, sein Sekretär, ein Beamter der Telegraphcnstation und ein deutscher Kaufmann wurden nach Anckland ge­bracht. Sie wurden in guten Quartieren in Quarantine Island untergebracht. Während ihrer Reise wurden ihnen keinerlei Beschränkungen auf­erlegt. Gouverneur Dr. Schul tz erwartete, auf Ehrenwort freigelassen zu werden, doch wurde ihm eröffnet, daß er seinen Wohnsitz auf der ge­nannten Insel zu nehmen habe.

Nach einem eben noch eingetroffenen Zeitungs­ausschnitte der Neuseeländischen ZeitungNliv ^ueülanci Ktar" sind noch weitere zehn deutsche Beamte - zwei von ihnen in Begleitung ihrer Frauen - als Kriegsgefangene nach Neuseeland übergeführt und vermutlich in dem Konzentrations­lager auf Sonms Island untergebracht worden, woselbst bereits eine große Anzahl Deutsche ge­fangen gehalten werden sollen.

(Abgeschlossen am. November 1914.)

Zweite Mitteilung.

(Sonderabdruck ausDeutsches Kolonialblatt" Nr. 1/2, 1916.)

I. Deutsch-Ostafrika.

Erfreulicherweise sind in den letzten Tagen auch amtliche Nachrichten vom G o n - verneur Schnee hier eingetroffen. Handelt es sich dabei auch nur um Telegramme in denkbar knapper Fassung, so vermögen wir dar­aus doch wertvolle Anhaltspunkte für die Be­urteilung der Lage im Schutzgebiet und der kriegerischen Ereignisse wenigstens während der ersten 2Z4 Monate des Krieges zu ent­nehmen.

Die auf Umwegen hierher gelangten Berichte des Gouverneurs beginnen mit dem 24. August und enden mit dem 16. Oktober. Wir geben die betreffenden Telegramme soweit erforderlich mit Erläuterungen versehen - - nachstehend wieder.

Nr. 1 vom 24. August:Bisher kein Land­angriff auf Ostafrika erfolgt. Starke Truppen- ansammlungen an den Grenzen. Englische Kreuzer beschossen Funkenturm DareS- s a l a m, beschlagnahmten dort und inTan g a Handelsschiffe, bombardieren Bngamojo