Erste Mitteilung.
(Die Ereignisse der
(Soudcrnbdruck aus „Deutsche
Wenn auch die gewaltigen Vorgänge auf den europäischen Kriegsschauplätzen naturgemäß im Vordergründe des Interesses in unserem Volke stehen, ist doch die Anteilnahme an den Ereignissen in den weit entlegenen Gebieten unserer Kolonien nicht erlahmt. Wie die Erörterungen in der Presse und die zahlreichen, dem Reichs- Kolonialamt täglich zugehenden Nachfragen beweisen, besteht im Gegenteil allseitig ein lebhaftes Bedürfnis, über die Geschicke der Schutzgebiete und ihrer deutschen Bevölkerung möglichst eingehend unterrichtet zu werden.
Wenn im folgenden versucht worden ist, diesen Wünschen zu entsprechen, so mußte dabei leider vou vornherein auf eine auch nur einigermaßen erschöpfende Darstellung verzichtet werden. Denn alsbald nach Kriegsausbruch wurde jeglicher Schiffsverkehr mit den Schutzgebieten ausgeschlossen, gleichzeitig wurden von den Engländern sämtliche deutschen Überseekabel zerschnitten, und damit auch die telegraphische Verbindung mit sämtlichen Schutzgebieten unmöglich gemacht. Als einziges Verständiguugsmittel blieb zunächst noch der Fnnkentelcgraph übrig. Die ersten kriegerischen Maßnahmen der Engländer zielten indessen darauf ab, uns auch dieses Mittels zu berauben. So fielen am 12. August die Iunkenstation Jap und bald darauf diejenige von Nauru, am 29. August Tafaigata (Samoa) und am 12. September Bita- paka auf Neupommern.
In der Nacht vom 24. zum 2ö. August mußte auch die Großfuukeustation Kamina in Togo unserseits zerstört werden, um ihre Besitzergreifung durch die feindlichen Truppen zu verhindern. Hiermit entschwand auch die Möglichkeit weiterer direkter Verständigung mit den afrikanischen Schutzgebieten, die bis dahin durch Vermittlung von Kamina aufrecht erhalten werden konnte. Allerdings hatte sich dabei von Anfang an eine Störung bemerkbar gemacht, die es verhinderte, von Ostafrika Nachrichten zu empfangen, so daß gleich nach Kriegsausbruch die Berichterstattung des dortigen Gouverneurs aussetzte.
So muß das im folgenden zusammengestellte Material, das znm großen Teil auf Umwegen verspätet hierher gelangte und meist Privatbriefen oder aber der feindlichen Presse entstammt, notwendigerweise lückenhaft bleiben und teilweise
ersten drei Monate.)
S Kolonialblatt" Nr. 28, 1914.)
auch als unzuverlässig angeseheu werden. Nichtsdestoweniger hielt es die Kolonialverwaltung aus den eingangs erwähnten Gründen für angezeigt, das ihr bekannt Gewordene der Öffentlichkeit ^ zu übergeben. Durch spätere, von hier aus in kürzeren Zeitabstäuden erfolgende Veröffentlichungen wird der weitere Verlauf der kriegerischen Ereignisse in den Kolonien bekanntgegeben werden; hierbei wird sich voraussichtlich auch Gelegenheit bieten, allmählich die in den nachstehenden Schilderungen vorhandenen Lücken auszufüllen und unzutreffende Angaben richtigzustellen.
I. Deutsch-Ostafrika.
Aus den im Vorwort erwähnten Gründen hat die Kolonialverwaltung direkte amtliche Nachrichten aus diesen: Schutzgebiet seit Kriegsbeginn nicht erhalten können. Auch die inzwischen auf Umwegen hierher gelangten Mitteilungen privater Natur sind so spärlich, daß sich vorläufig ein auch nur annähernd klares Bild über den Verlauf der kriegerischen Vorgänge in Ostafrika nicht gewinnen läßt. Die nachfolgenden Angaben stützen sich, soweit nicht anders vermerkt, lediglich auf Nachrichten aus der Presse unserer Gegner.
Nach soeben hier eingegangenen, bis Anfang September reichenden Privatnachrichten ist damals in: Innern Ostafrikas alles ruhig gewesen. Der Andrang vou Kriegsfreiwilligen—sowohl Europäern wie Eingeborenen — war so stark, daß längst nicht alle haben eingestellt werden können. Immerhin ein erfreulicher Auftakt bei der Vorbereitung der Kolonie auf schwere Zeiten!
Die kriegerischen Ereignisse in Ostafrika spielten sich in fünf weit voneinander liegenden Gegenden ab, und zwar an der Küste bei Dares - sala m, im Südwesten an der deutsch-englischen Grenze zwischen Njassa - und Tanganji k a- See, im Norden und Nordosten jenseits der deutsch-englischen Grenze im englischen Gebiet auf dem Ostufer des V i c t o r i n - S c e s uud in der Gegend nordöstli ch des Kili m andscha r o und schließlich im Nordwesten am Kiwu - S c e.
Während wir es an den vier zuerst genannten Stellen mit englischen Kolouialtrnppen zu tun hatten, waren am letztgenannten Punkte die B e l - g i e r unsere Gegner.