Deutsch - Neuguinea.
I. Verwaltung.
Allgemeines. Als Ergebnis der bisherigen Entwicklung und als maßgebend für die weitere Gestaltung dürfen folgende Erfahrungen niedergelegt werden.
Die Ansicdlung der Europäer folgte der Seelinie, gelangte damit zu einer großen Zersplitterung und heischt reiche Aufwendungen für Verkehr und öffentliche Verwaltung, sicher jedenfalls mehr, als eine Ansehung der Kräfte in geschlossenem Gebiete sie erfordert hätte. Gleichwohl hat diese Form der Ausbreitung europäischen Einflusses für das Land größere Vorteile gebracht, als eine Zusammenfassung auf einem engeren Gebiete. Es entstand die Notwendigkeit, in raschem Zuge den Landfrieden unter den Küstenstämmen aufzurichten; damit wurden wiederum die Arbeiterscharen für die entstehenden Pflanzungen gewonnen. Die Entwicklung hat deshalb einen schnelleren Verlauf genommen, als es unter- anderen Formen des Vorwärtsgehens sich ermöglicht hätte.
Die Grundsätze für die Landoergebung haben sich eingelebt und scheinen dem Bedürfnis der besonderen Art des Anbaues in der Kolonie zu entsprechen. Der große Aufschwung der Pflanznngswirtschaft der Europäer beruht in der Hauptsache auf der mit der Befriedung geschaffenen Zngänglichkeit der Eingeborenen und aus den Bedingungen der Landvergebung. Man darf sagen, daß heute die Schranke für die Ausdehnung der Europäerwirtschaft (bis jetzt in der überwiegenden Zahl deutsche Unternehmungen) in der Möglichkeit der Arbeiterbeschaffung ruht. Das Kapital hat sich in steigendem Maße, ja rascher eingefnnden, als mit der Ausschließung der unbefriedeten Länderstrecken sich vereinbaren ließ.
Im Jahre 1897 wurde an der Blanche-Bucht der erste Regiernngshäuptling bestellt. Es handelte sich um einen Versuch, die tiefstehenden Eingeborenen zur Zusammenfassung innerhalb eines bestimmten Gebietes, zur Übernahme von Pflichten und zur Mitwirkung am Wohle der Stammesgenossen zu bringen. Aus den Versuchen hat sich eine bleibende Form ergeben, die zur Erreichung der gesteckten, heute natürlich noch recht bescheidenen Ziele einer Eingeborenenverwaltung unter Wildstämmen sich bewährt hat.
Der bisherige Erfolg beruht auf der Beweglichkeit über See. Die Weiterbildung der europäischen Kolonisation, die Gesittung und Hebung der Eingeborenen fußen auch in Zukunft auf der Voraussetzung, daß regelmäßig und von einem Sammelpunkte aus die weite Jnselflur ebenso wie die lange Küstenlinie von Kaiser-Wilhelmsland eines geordneten Verkehrsdienstes sich erfreuen.