Oeutsch-Neu-Guinea.
I. Verwaltung.
Allgemeines. Das Jnselgebiet der Karolinen, Palau und Marianen ist seit seiner Erwerbung durch das Deutsche Reich dein Gouvernement von Deutsch-Nen-Guinea angegliedert. Die Marshall-, Brown- und Providence-Jnseln, die zunächst ein eigenes Schutzgebiet bildeten, wurden im Jahre 1906 gleichfalls Neu-Gninea zugeteilt. Während nun bis 1909 nur ein ziemlich loser Zusammenhang zwischen dem sogenannten alten Schutzgebiet und diesem Jnselgebiet bestand und eine Einwirkung vom Gouvernement aus nur in wenigen Fällen stattfand, vollzog sich seitdem, unter dem Einfluß einer Reihe einzelner Tatsachen, insbesondere der Schaffung einer regelmäßigen Verbindung mit Rabaul und häufigerer Besuche des Gouverneurs und seines Vertreters, ein immer engerer Zusammenschluß, so daß die Zentralverwaltnng in Rabaul sich in steigendem Maße mit der Verwaltung dieser Gebiete befassen mußte. 1910 wurde die Finanzverwaltnng des Insel- gebiets mit der des alten Schutzgebiets vereinigt und ein einheitlicher Etat aufgestellt.
Dieser Entwicklung entsprechend sind nunmehr auch die Jahresberichte zu einer Einheit zusammengefaßt worden.
Expeditionen. Die geographische Erforschung hat nur geringe Fortschritte gemacht, da die beschränkten Mittel der Verwaltung hierzu nur in sehr bescheidenem Maße herangezogen werden können. Erfreulicherweise sind von anderer Seite Mittel für die Erforschung von Kaiser-Wilhelmsland flüssig gemacht worden. Seit Mitte Februar 1912 ist in dem Stromgebiet des Kaiserin-Augustaflusses eine große, wohlausgerüstete Expedition tätig, um diesen gewaltigen Strom und seine Nebenflüsse nach allen Richtungen zu erforschen.
Den Beamten der Station Morobe ist es gelungen, fast bis zum 147. Längengrad vorzustoßen. Dabei wurde festgestellt, daß die Küstendörfer, insbesondere Morobe, Peihowa und Mayama mit den Dörfern der Jnlandbewohner bis zum Bnbu in Handelsverbindung stehen. Auf einer Expedition bekam man aus dem Dorfe Bnbn einen Führer, der einen Weg durch das Mayama-Tal zur Küste herab zeigte. Es stellte sich heraus, daß der Bnbu von der Küste aus in 5—6 Tagen zu erreichen ist. Alle diese Wege werden von den Küstenbewohnern sorgfältig geheim gehalten, wahrscheinlich weil sie sich sagen, daß ihre Macht den Jnlandstämmen gegenüber gebrochen ist, wenn die Weißen das Innere betreten und selbst unmittelbare Verbindung mit den Jnlandbewohnern anknüpfen.