—Nvrdtogo. Landschaften nnd Leute. 45
Die Gehöfte wohlhabender Leute, wie das der Stationsgastfrenndiii Abyna in Blita, enthalten wohl zwölf bis fünfzehn solcher miteinander verbundener Einzelqehöste nnd bilden dann czanze Stadtviertel, in deren Hültencieivirr man sich nicht zurechtfinden kann. In diesem ihr gehörigen Stadtviertel herrschte die kln.qe Frau über zahlreiche Sklaven nnd Sklavinnen und eine dementsprechende Kinderschar. Sie hatte neben grossen Mengen von Salz und Kanris ausgedehnte Farmen im Besitz nnd nannte eine kopsreiche Rinderherde und mehrere Pferde ihr eigen. Übrigens führte diese Frau nicht nur die Herrschaft in ihrem Anwesen, sondern sie leitete auch die Angelegenheiten des Dorfes. So führte sie stets an Stelle deS schwachen Dvrshänpt- lings die Palaver nnd sprach klug und verständig. Unser Gastgeschenk für diese F-ran — die Bismarck- bnrger mussten oft nach Blita marschieren, nm benötigtes Schlachtvieh, zumeist Schweine, zu kaufen — bestand gewöhnlich aus dicken, echten Korallenperlen, Seidenstoffen oder Silbermünzen, aus denen sie sich Armringe fertigen liess. Anjanga ist daS Land der Schweinezucht. Man hält diese Tiere in überraschender Menge nnd dementsprechend zahlreich sind die in Form kleiner Hütten gebauten Ställe. Es ist vergnüglich zu sehen, wie genau
die Tiere die Stimmen ihrer Hüterinnen kennen nnd auf deren Lockruf sosort aus dein hohen Grase erscheinen. Merkwürdig fast ist, dass hier die Hunde gefüttert werde», übrigens dieselbe Rasse, wie sie schon bei den Eive beschrieben wurde.
Anjanga ist ein grosses, nur von wenigen niedrigen Terrainivellcn und Kuppen durchzogenes Grasland, in dem man viel Wild findet. Bei Agbandi streifte vor einigen Jahren ein Löwenpaar, daS nach und nach zehn Menschen zerriss, so dass die Bevölkerung auszuwandern begann. Elefanten, Büffel, Antilopen und Paviane sind nicht selten. In den Tchattcnbänmen der Dörfer hocken zahlreiche Geier und Habichte, nnd tagsüber hängen dort Tausende und aber Tausende von fliegenden Hunden, die des Abends auf ihre Streifzüge gehen und morgens mit grossem Geschrei zurückkehren. Das Land ist im allgemeinen fruchtbar und man sieht grosse Felder von MinS, Mais, Reis und Gnineakvrn. Es hat den Namen und ist durch- flossen vom Angä, der bei hohem Wasserstande das 60 m breite Bett erfüllt und dann ost den Verkehr auf Wochen nnd Monate sperrt, ein sehr hinderlicher Umstand, mit dem die Reisenden aus den das Land durchziehenden Karawancnstrassen nach Kpedji, Sokode und Salaga zu rechnen haben.
V. Nordtogo. Landschaften und Leute.
Durch den Vertrag mit England ist das Königreich Dagomba zum größeren Teil in deutschen Besitz übergegangen. Bei der Grenzfestsetzung ist Gewicht darauf gelegt worden, daß die eine wichtige Karawanenstraße von Salaga nach Gambaga ganz in englischen, die andere von Bimbila über Jendi nach Sansane Mangu ziehende ganz in deutschen Besitz gekommen ist. Den südlichsten Teil der Dagombaherrschaft bildete bis 1896 die Landschaft Nanu m b a mit der Hauptstadt Bimbila. In diesem Jahre ist die Landschaft von der deutschet: Regierung als selbständig anerkannt worden. Sie hatte sich von der Oberherrschaft Dagombas, deren König in Jendi residiert, losgesagt, nachdem Jendi (auf dessen Veranlassung Nanumba gegen die deutsche Truppe gekämpft hatte und geschlagen worden war) von den Deutschen selbst bezwungen worden war. Die Landschaft Nanumba hat Kling im Jahre 1890, von Salaga kommend, durchzogen. Mit der Überschreitung des von Krokodilen wimmelnden Daka betrat er eine Wasserlose, ausgedörrte Steppe, die erst bei Tschamba in freundlichere Landschaft überging. Die Hauptstadt Bimbila schätzte er auf dreitausend Hütten; sie liegt inmitten ausgedehnter Felder und ist ein wichtiger, auch von zahlreichen Haussa aufgesuchter Marktplatz. Einige Zeit vor Klings Besuch war der Häuptling ermordet worden, und man stand vor der Wahl eines neuen Häuptlings, die damals aber noch von dem Könige in Jendi bestätigt werden mußte. Als man 1903 wiederum in Bimbila einen neuen Häuptling wählen mußte, hat, um Thronstreitigkeiten zu vermeiden, die Regierung eingegriffen und dem Häuptling von Djonajile die Häuptlingswürde übertragen.
Die Nanumba-Großen Haltensich Pferde, so schreibt Graf Zech, welche sie meist aus nördlich gelegenen Gebieten beziehen. Sie Pflegen durchreisende Europäer feierlich zu empfangen, indem sie ihnen eine Strecke weit entgegen-