Periodicaltome 
Bd. 2 (1911)
Place and Date of Creation
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Der Boden ist hier nicht unfruchtbar und auch znm Teil mit Hains, Maniok, Gnineakorn und Tabak bestellt, doch auch die Atjntilenle bauen nur so viel Feldprodnkte, als sie selbst und znr Not die durchreisenden Fremden gebrauchen; im übrigen ergeben sie sich dem Nichtslnn, dem Schnapstrinkcn, dem Kantschnksammeln und -verhandeln. Die jugendliche Bevölkerung besorgt die Gewinnung des Kautschuks. Tazn werden die wenigstens früher in den Galeriewäldern massenhaft vor­handenen Lianen mit einem Hackmesser ange­schlagen und leider auch durchgeschlagen, und der heranssickernde Milchsaft wird mit Kochsalzlösung oder Lemvnensaft zutu Gerinnen gebracht. Dann werden die geronnenen Mengen abgenommen und zn einem Ball zusammengedrückt. Auch hier wartet die Bevölkerung auf die Händler, die in Menge von der Küste herziehen, um den aufgesammelten Borrat zn verkaufen. Besonders in den Häusern des Dorfes Gvkoron kann man grosse Halkfen'vvn aufgestapelten Kasttschnkbttllcn sehen. Viele Hanssa und Aschantihünstler haben sich hier niedergLlasscn, und so sieht man neben den runden einzeln stehen­den Aljutihütlen Hanssagehüfle mit den grossen Eingangshänsern, sowie die viereckigen Aschanti- hänser mit Giebeldächern. ManchoDürser erscheinen ganz in der Gestalt der Aschantidörser, wie wir sie auch schon aus der Landschaft Bnem kennen gelernt haben. Da gibt >es dann eine breite.Torf- strasse mit seitlich angebrachten Lehmbänken. Vor­dem Ort befindet sich im Busch ein gemeinsamer Abort. Zn diesen Dörfern gehörte auch Kwan, von dem schon erzählt wurde, dass es von seinen Bewohnern aus dem südlichen Akebu hierher ver­legt worden ivar. Aber auch Atebn war nicht ihre ursprüngliche Heimat, denn sie stammen von dem rechtsvoltaischen Kodiabe, und so sind sie denn nenerdingS l1897j in die ihnen stammverwandte Landschaft Apai zurückgekehrt.

Von der belebten Karawanenstrasse in Odomi nach Osten abbiegend, gewinnen wir den Sabn und erreichen in seinem von vielen Pavianen be­lebten und köstliche Waldszenerien darbietenden Galeriewalde den Hänptlingsitz und F-etischort Schiare. Die Vismarckburger Herren haben das Dorf mehrfach von der Station aus besucht, und alle beschreiben die Beschwerlichkeit des Weges über das Gebirge, soivie den malerischen Anblick, den das plötzlich sich darbietende, einem Bergabhange angeklebte Dorf gewährt. Schiare besteht aus etwa hundert runden, roten Lehmhütten und ist rings von schönem Hochwald und besonders hohen und schlanken Ölpalmen umgeben. Die Hütten sind förmlich übereinander in den Bergabhang hinein- gebaut und stehen so eng, dass es schwierig ist

durchzukommen und tatsächlich nicht so viel ebener Raum vorhanden ist, um ein Zelt oder ein Stativ aufzustellen. Die Hütten sind niedrig und haben eine hoch angebrachte EingangSöffnnng, zn ber­einige Stufen emporsühren. So können die bei Regenivcttcr den Berg herabstürzenden Wasser nicht in das Innere der Hütten dringen. Der Hain von Schiare ist der Sitz des grossen Fetischs Bnrnkn, dem weit und breit hin grössten der Geister-, dem alle umher befindlichen Untertan sind.

Najv von Tikpelen, Odente von Kralschi und Gagon von Schiringa sind mir Bnrnkns Kinder.' Zwar meinen die Kratschilente, dass Odente von der Goldküste gekommen sei, tatsächlich aber hat Bnrnkn das ungezogene Kind Odente von Schiar e sortgeiviesen. Die Aschanti kennen Atjuti nur unter den» Namen Buruknsteinland, und so gross war das Ansehen des GiZteS, dass neben den Königen von Aschanti auch die-von Gvndja, Da-, ''gomva und Tschandjv Gesandtschaften nach Schiare schickten, um über den Ansgang ihrer Kriege dies Vorhersage des Bnrnknpriesters einzuholen. Nochs neuerdings kamen die Leute von weit her, voip Heji und von der Goldküste, um den berühmten F-etischort auszusuchen. Sicherlich haben diese Be­ziehungen znr englischen Küste wie in Tikpelen so auch in Schiare auf das Verhalten des Hänpt-; liligs und Ober-priesters von Atjnli eingewirkt, denn er widerstrebte der Station Bismarckburg von ihrer Gründling an und weigerte sich, die' deutsche Flagge zn hissen. Natürlich arbeitest: auchj er trotz des Verbots eifrig mit dem Giftwasser, und so gab ein neuerlicher nachgewiesener Ver- giftnngsfall im Jahre 1896 dem Grasen Zech die Veranlassung zn einem kühnen Zuge nach Sch i ar e, wobei der Priester aufgehoben, gefangen genommen und seiner- Hänptlingswürde entkleidet wurde. An seiner Statt wurde der Häuptling von Pana zum Oberhäuplling von Atjnli gemacht. Die bei diesem Zuge in Sch iare erbeuteten F-ctischgcgenstände sind nun im Berliner Museum für Völkerkunde, es sind unter anderem ein paar Eisenstäbc mit Kopsansatz, die bei feierlichen Opferungen auf dem F-ctischplatz in die Erde gesteckt wurden, ein Fetischschwert, dessen Griff mit Goldblech beschlagen ist, ein Stock und eine mit Blut bespritzte und mit Federn beklebte Tasche, aus welcher der Priester das Gift hervor­holte, ein Schlachtmesser, kleine Nachahmungen von Sklaveneisen als Fetischmittel gegen das Fort­laufen der Sklaven, soivie allerlei Schnüre und andere Gegenstände, die den Hilfesuchenden als Mittel für und wider den Zauber geliefert wurden.

Ausser Bnrnkn verehrt man in Atjnti noch den Fetisch Gagon, der aber speziell Kriegsfetisch ist.

c) Die östlichen Landschaften.

Die Landschaft Atakp ame ist begrenzt im Norden vorn Angä, im Osten vorn Monu, im Westen vom Akpossolande, im Süderr vom Arnu. Jenseits dieses Flusses bis zum Chra ist unbewohntes Land. Die Bevölkerung der Landschaft ist nicht einheitlicher Natur. Die eigentlichen Atakpame, wie solche die beiden Stadtteile Njanja und Djama in der Stadt Atakpame bewohnen, sprechen Anago oder einen Dialekt der Anagosprache, wie sie auch nahe Ver­wandte der Anago sind. Sie sind dem Lande nicht ursprünglich eingesessen, sondern haben früher jenseits des Monu ihre Wohnsitze und ihre Hauptstadt