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Deutschlands Kolonien : Erwerbungs- und Entwickelungsgeschichte, Landes- und Volkskunde und wirtschaftliche Bedeutung unserer Schutzgebiete / von Kurt Hassert
Entstehung
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8. Die Karolinen.

Von allen Südsee-Archipelen nimmt derjenige der Karolinen den weitesten Raum ein und macht den größeren Teil Mikronesiens aus, indem er seine zahllosen Eilande in langer Reihe von West nach Ost grup­piert und von den Philippinen bis zu den Marshall-Inseln reicht. Im ganzen halten die Karolinen die Breitenlage zwischen dem Äquator und 10° N fest und sind einschließlich der Palaugruppe über eine Wasserfläche ausgebreitet, die in Europa einen Raum von der Breite und der drei­fachen Länge Deutschlands bedecken würde. Doch sind die Inseln, gegen 710 an der Zahl, von denen aber nur 107 ständig bewohnt werden, als weit zerstreute Häuflein in ungefähr 40 Gruppen wie Staubkörner oder gleich einem Mückenschwarm über diesen Ungeheuern Meeresraum ausgesäet, da sie trotz der Ausdehnung über 35 Längen- und 10 Breiten­grade nur 1600 qkm einschließlich der unbewohnbaren Riffe 9000 qkm Flächeninhalt besitzen. Die dem Menschen zugängliche Fläche der Inselflur ist somit nicht viel größer als das Herzogtum Sachsen-Altenburg. Davon entfallen über 1200 qkm auf die fünf vulkanischen Hochinseln; der für die vielen Hunderte niedriger Koralleneilan de übrig bleibende geringfügige Rest erreicht kaum den Betrag der Insel Elba.*) Die Karolinen stellen somit die erstaunlichste Auflösung eines Landgebietes im Meere dar, und der Volksstamm, der sich diesen sonderbaren Wohn-

») Die wichtigsten Karolinen-Inseln sind Kusaie, Ponape, die Mortlocks, der Truk-Arehipel, Namonuito, Uleai, Uluthi, Jap und die Palaus. Die westlichste Insel ist das weltverlorene Eiland Tobi, den östlichsten Pfeiler stellt die Insel Kusaie dar. Die südlichste Gruppe des Archipels ist das aus fünf flachen, gut bewaldeten Eilanden bestehende, an sich gänzlich unbedeutende und lange Zeit hindurch fast unbekannte Lagunenriff Mapia (Bunaj), das bloß 6 qkm Land besitzt und dessen rein karolinische Bevölkerung größtenteils von papuanischen Piraten vernichtet oder weggeführt wurde. 1898 war nur noch eine siebenköpfige Familie vorhanden, worauf später 70 Karoliner und einige Weiße einwanderten. Weil das Atoll bereits in den Gewässern von Holländisch-Neuguinea liegt, so machten nach der Abtretung der Karolinen die Holländer Besitzansprüche auf Mapia geltend, mit der Begründung, daß ein holländischer Kaufmann vom Sultan von Tidore, der sich als Herrn des Archipels ausgab, die Erlaubnis zur Anlage einer Faktorei da-