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Deutschlands Kolonien : Erwerbungs- und Entwickelungsgeschichte, Landes- und Volkskunde und wirtschaftliche Bedeutung unserer Schutzgebiete / von Kurt Hassert
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7. Die Marianen.

Die Marianen und Karolinen liegen östlich von den Philippinen und bilden nebst den Marshall-Inseln und dem britischen Gilbert-Archipel ihrer Naturbeschaffenheit und ihren Bewohnern nach ein Ganzes. Geo­graphisch werden sie unter der Bezeichnung Mikronesien oder Klein­inselland zusammengefaßt, ein Name, der seine volle Berechtigung hat. Denn allen Inseln dieses Gebietes ist die Kleinheit ihres Umfanges und das entschiedene Vorherrschen niedriger, oft kaum mannshoher Korallen­eilande gemeinsam, die meist als sogenannte Atolle oder Einginsein mit ihrem schmalen, weißleuchtenden Korallenkalkband eine ruhige Lagune umsäumen. Gemeinsam ist Mikronesien ferner eine im wesentlichen gleichartige Bevölkerung, und auch Klima, Pflanzen- und Tierwelt weisen viele übereinstimmende Züge auf. Trotz der weiten Ausdehnung über ein Gebiet, das in Europa vom Kanal bis zum Don und vom Kap Skagen bis Rom reichen würde, hat die gesamte mikronesische Inselflur mit 3545 qkm Fläche noch nicht einmal die Größe des Großherzogtums Sachsen-W eimar. 1 )

Aus jener Ungeheuern Wasserwüste und aus der Unzahl flacher Riffe und Koralleninseln ragen nur wenige höhere Inseln vulkanischen Ursprungs empor. Die meisten und größten finden sich in der Gruppe der Marianen, der nördlichsten Inselreihe Mikronesiens und der deutschen Südsee - Inseln, die 1521 vom Weltumsegler Magellan entdeckt wurde. Wegen des diebischen Charakters ihrer Bewohner taufte er sie Ladronen oder Diebesinseln. Daneben wurden sie nach der dreieckigen Form der Segel, die an lateinische Segel erinnerten, Isias de las Velas Latinas, die Inseln der Lateinischen Segel, genannt. Später (1668) erhielten sie nach der Witwe des spanischen Königs Philipp IV., Maria Anna (spanisch Ana), den heute allgemein gebräuchlichen Namen Marianen. 2 )

1) Davon entfallen auf Deutsch-Mikronesien 2626 qkm, nämlich 626 qkm auf die Marianen, 1600 qkm auf die Karolinen und 4B0 qkm auf die Marshall-Inseln.

2 ) Für die Erforschung der Marianen haben im 18. Jahrhundert Anson, Byron, Wallis und Crozet das meiste geleistet. Zuletzt hat Bezirksamtmann Fritz sehr eingehende Berichte geliefert.