6. Kaiser-Wilhelmsland und der Bismarck-Archipel.
Die Inselwelt der Südsee macht durch die Art ihrer Zusammensetzung und Verteilung die Annahme wahrscheinlich, daß sich hier in geologischer Vergangenheit gewaltige Störungen im Aufbau der Erdoberfläche vollzogen haben. Die zahlreichen Inselwolken des westlichen Stillen Ozeans bilden nämlich in ihrer Gesamtheit die letzten Reste eines uralten, größtenteils im Meere versunkenen Festlandes, von dem heute bloß noch die höchsten Gebirgskämme und Gipfel den Meeresspiegel überragen. Auf weite Strecken hin ist das Land vollständig im Ozean verschwunden und wird nur noch durch sekundäre, erst nachträglich entstandene Bildungen jungvulkanischen und korallinischen Ursprungs angedeutet. Die inneren Erdkräfte, die zur Zerreißung und Versenkung jener gewaltigen Landscholle Anlaß gaben, ließen an den Bruchspalten als an den Stellen geringsten Widerstandes der Erdkruste glühendflüssige Lavamassen empordringen, denen die vulkanischen Hochinseln und die zahlreichen erloschenen oder noch tätigen Feuerberge des pazifischen Gebietes ihre Entstehung verdanken. Auch Erdbeben sind noch häufig und lassen erkennen, daß die Krustenverschiebungen im Bereiche des Stillen Ozeans noch nicht zur Ruhe gekommen sind.
Man pflegt das pazifische Gebiet in drei große Gruppen zu gliedern. Die erste ist Melanesien oder Schwarzinselland, so genannt nach der dunkeln Hautfarbe seiner langschädeligen, negerartigen Bewohner. Es bildet einen von Neuguinea bis nach Neuseeland reichenden Inselbogen, der zum Beweise eines früheren Zusammenhangs vielfache Übereinstimmungen mit dem Ostrande des Festlandes Australien zeigt und durch ein nicht allzutiefes Meer von ihm getrennt wird. Melanesien, von dem der Nordosten Neuguineas, der Bismarck-Archipel und die nördlichsten Salomonen deutscher Besitz sind, umfaßt die höchsten und zugleich die ausgedehntesten Inseln der pazifischen Welt; nur hier finden wir Gebiete, die auch nach europäischem Maßstab einen erheblichen Flächeninhalt haben. Dagegen bestehen Polynesien oder Vielinselland und Mikronesien oder Kleininselland — ersterem gehören die deutschen Samoa-Inseln, letzterem die Marianen, Karolinen und Marshall-Inseln