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und militärischen Brauchbarkeit hat man sie mit Erfolg als Miliz ausgebildet. Zur Verwaltung ihrer Gemeindeangelegenheiten haben sie auch einen eigenen Gemeinderat erhalten.
Am allerwichtigsten ist endlich die weiße Bevölkerung, die zum größeren Teile (6215 Köpfe) aus Deutschen, zum kleineren Teile (1130) aus Buren und Engländern besteht. 1891 zählte sie erst 539, 1903 dagegen 4682 Seelen. Da der Aufstand nicht weniger als 15 °/ 0 der Ansiedler das Leben kostete und vorübergehend auch eine nicht unerhebliche Abwanderung hervorrief, so hat er den Stand der weißen Bevölkerung völlig verschoben. Seit dem Beginn friedlicher Zeiten hat aber die weiße Bewohnerschaft wieder so rasch zugenommen, daß sie 1908 ohne die Schutztruppe 8213 Köpfe betrug, darunter 565 Kegierungsbeamte, 827 Kaufleute, Frachtfahrer, Händler und Gastwirte, 2123 Handwerker und 1023 Farmer. Demgemäß gibt es in Deutsch-Südwestafrika weit mehr Europäer als in allen andern deutschen Schutzgebieten zusammengenommen (13 858, dazu 1484 in Kiautschou ohne Schutztruppe).
Wirtschaftsgeographie.
Deutsch-Süd westafrika ist unsere einzige Kolonie, die durch ihre außertropische Lage für die Einwanderung weißer, insbesondere deutscher Kolonisten geeignet erscheint und die bei Ausnutzung aller Hilfsquellen noch eine stattliche Einwanderermenge aufzunehmen vermag. Der Kern der europäischen Bevölkerung ist die deutsche Schutztruppe, indem viele ausgediente Mannschaften, die mit Land und Leuten wohl vertraut sind, sich dauernd in der Kolonie niederlassen, um dort meist als Farmer, Kaufleute, Wanderhändler, Frachtfahrer und Handwerker tätig zu sein. Durch die Niederlassung ehemaliger Schutztruppler, denen die Möglichkeit der Erwerbung von Grund und Boden gegeben wurde, wächst die Zahl der Deutschen langsam, aber stetig, und mit dem allgemeinen Wachstum der Bevölkerung ist auch die Zahl der Kinder so gestiegen, daß es 1908 deren 1427 (unter 15 Jahren) gab. Infolgedessen hat das Gouvernement sieben Regierungsschulen für weiße Kinder errichtet und die allgemeine Schulpflicht überall dort eingeführt, wo solche Schulen bestehen. In Windhuk ist auch 1909 eine Realschule eröffnet worden. Nun ist aber, wie in allen jugendlichen Ländern, in Südwestafrika die Zahl der Männer unverhältnismäßig viel größer als die der Frauen, indem 1908 knapp drei Viertel der Weißen (5964) männlichen und nur ein Viertel (2249) weiblichen Geschlechts waren. Um das Schutzgebiet keine Männerkolonie werden zu lassen, ist es dringend er-