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Deutschlands Kolonien : Erwerbungs- und Entwickelungsgeschichte, Landes- und Volkskunde und wirtschaftliche Bedeutung unserer Schutzgebiete / von Kurt Hassert
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auf portugiesischem Boden wohnt, so kann es nur durch ein gemeinsames Vorgehen beider Kolonialmächte niedergehalten werden. So bedeutet die unpraktische Festlegung der Nordgrenze eine Quelle ständiger Ge­fahr für den Norden des Schutzgebietes, um so mehr, als die Ovambos heute noch der einzige größere geschlossene Volksstamm Deutsch-Süd­westafrikas sind.

Landes- und Volkskunde.

Deutsch-Südwestafrika nimmt unser Interesse besonders dadurch in Anspruch, daß es die erste deutsche Kolonie war und für absehbare Zeit unsere einzige Besitzung ist, die eine Besiedelung mit Nordeuropäern ' möglich macht. Als ein nach Norden breiter werdendes längliches Viereck i erstreckt sich das Schutzgebiet im Südwesten des dunkeln Erdteils durch ll x / 2 Breitengrade zwischen dem Nordufer des Oranjestromes*) im Süden und dem Kunene im Norden, vom Atlantischen Ozean bis an und über 20° O 2 ) und steht längs der Flüsse Okavango und Tschobe durch einen schmalen, aber mehrere hundert Kilometer langen, nach Osten vorspringenden Streifen, den Caprivizipfel, mit Südafrikas wich­tigster Handelsstraße, dem Sambesi, in Verbindung. Mit 835000 qkm Flächeninhalt stellt es unsere zweitgrößte Kolonie dar, die das Mutter­land noch um Zweidrittel seines Umfanges übertrifft. Bei einer Volks­zahl von höchstens 150000 Eingeborenen und 8213 Weißen erreicht es aber noch nicht die Bevölkerungsmenge von Sachsen-Altenburg. Im Norden sind die Portugiesen, im Osten und Süden die Engländer unsere Grenznachbarn, und letzteren gehört auch die 1114 qkm große Enklave der Walfischbai nebst einigen dem südlichen Teile der deutschen Küste vorgelagerten Felsinseichen, deren Guanoschätze durch den langen Abbau ziemlich erschöpft sind. 3 ) Unsere Kolonie zerfällt in drei Uauptteile, die nach den dort ansässigen Volksstämmen benannt sind: das Nama-

1) Infolgedessen gehört der Flußlauf vollständig den Engländern, von deren Genehmigung jede Benutzung des Oranje durch die Deutschen abhängig ist.

2 ) Die überaus schwierigen Arbeiten an der Festlegung der ganz willkürlich durch das Sandfeld gezogenen Ostgrenze sind nach fünfjähriger Dauer durch eine deutsch-englische Kommission 1904 zu Ende geführt worden. Zwei zusammen 400 km lange Strecken konnten wegen völligen Wassermangels und undurchdring­lichen Kameldornwaldes nicht vermessen werden.

3 ) Auf den meist unbedeutenden Eilanden hausen große Vogelscharen, die im Fischreichtum des kühlen Küstenwassers ihre Nahrung finden und deren Kot in dem trockenen Klima zu abbauwürdigem Guano geworden ist. Obgleich die Vorräte infolge der unausgesetzten Ausbeute sehr vermindert sind, werfen die jähr­lich sich erneuernden Ablagerungen immer noch reichlichen Gewinn ab.

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