- 335 -
hauptsächlichste Arbeit bestand im Halten der Gottesdienste, des Tauf- und
Konfirmandenunterrichts und im Schulunterricht. In den Schulen lernten alt und jung ihren Katechismus und biblische Geschichten, Lesen und Schreiben. Die Ordination hätten mir einigen unter ihnen geben können, die Zeit mahnte jedoch zur Vorsicht. Nicht allein die Augen der Herero, die sehr scharf sehen, sondern auch die so vieler ungläubiger, weltlich gesinnter Weißen sahen auf sie.
In der so vielverzweigten Evangelistenarbeit auf den Filialen lag ein großer Erfolg der Hereromission. Auf den meisten Filialen wurden die früheren Nomaden seßhaft. Zeder neue Ankömmling wollte und mußte auch ein Stück Gartenland haben, und ohne ein solches wollten sie dort nicht
wohnen. Sie lernten arbeiten, kleidete» sich anständig und bauten sich bessere Häuser. Das Familienleben wurde ein gesittetes. Die Ordnung auf den Filialen, kurz alles, gestaltete sich nach dem Muster der Mnttergemeinde. Auf fast allen Filialen entstanden unter der Leitung der Evangelisten Schul- hänser, Kapellen oder Kirchen, welche die Leute mit großem Arbeitsfleiß und eigenem Kostenaufwand selbst bauten. So standen z. B. auf Okatumba,
Otjituezu und Omuujereke drei aus Lehmsteinen gebaute Kirchen, die letztere sogar mit Wellblechbedachung. Aus den drei Filialen von Otjosazu und Otjituezu befanden sich auch Glocken bei den Kirchen.
Ich ließ die Evangelisten aber nicht allein zu mir kommen, sondern besuchte sie auch so oft als möglich selbst auf den Filialen. Bei diesen
Besuchen gab es immer Ursache genug zu Freude und Dank, bildeten doch diese Orte mit ihren Bewohnern nicht allein einen großen Gegensatz zu den noch heidnischen Werften, sondern sie waren auch Segensstätte für das ganze Volk. Wären diese Erfolge nicht durch den Aufstand zerstört morden, so hätte es wohl in 4—6 Jahren keine größere Hererowerft mehr gegeben, auf die nicht auch durch die Evangelisten Christentum und Kultur hingebracht worden wäre. Der Mangel an tüchtigen Evangelisten ließ es nicht zu, den vielen Bitten von Hererogroßen um solche nachzukommen.
DOW
Viertes Kapitel.
Crfolg cier Arbeit.
„Die Missionare müssen angehalten werde», andere Bahne» in ihrem Bekehrnngswerke einzuschlagen, um die Eingeborenen nicht nur äußerlich, sondern auch innerlich zu Christen zu machen. Wie wenig sie das bis jetzt erreicht haben, darüber belehren uns leider znr Genüge die Blutbäder in