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Die Herero : ein Beitrag zur Landes-, Volks- und Missionskunde / von J. Irle
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Hütten verbrannt. Das so zahlreiche Volk schien ain Aussterben zu sei». Bei diesen Zuständen wurde der Mut und die Hoffnung der Missionare auf eine harte Probe gestellt; denn unter diesen Verhältnissen schien es unmöglich, Mission zu treiben. Hahn hatte schon früher die Erlaubnis erhalten, zur Wiederherstellung seiner geschwächten Gesundheit nach Europa zu reisen, um besonders auch mit den Leitern der Missionsgesellschaft zu beraten, wie und wo das zerstörte Werk fortgesetzt werden könnte. Als er Ende 1850 in Missionar Schöneberg einen Gehülfen und Stellvertreter erhielt, die Zustände aber sich nur noch verschlimmerten, reiste er Mitte Juni 1852 über Land nach Kapstadt, wo er im November ankam. Die Reise war furchtbar schwer. Beim Hinabführen von einem hohen Flnßufer schlug der Wagen um, und seine Frau und vier Kinder lagen unter der Ladung. Er hörte nichts mehr von ihnen, aber durch Gottes gnädige Hand bewahrt, konnten sie unbeschädigt unter der Last herausgezogen werden.

Als Hahn im November 1852 in Kapstadt ankam und härte, daß die Methodisten Windhuk verlassen hätten und ihr Arbeitsgebiet der Rheinischen Mission ganz zu überlassen gedächten, sah er dies als einen Fingerzeig Gottes an. Er ließ seine Frau und Kinder am Kap und reiste anfangs 1853 über See nochmals zu Jonker, um diesen zur Annahme eines Missionars zu be­wegen. Die Verhandlungen mit diesem waren jedoch erfolglos. In gottlosem Frevelmut erklärte Jonker, lieber sterben und verderben zu wollen, als wieder einen Missionar bei sich aufzunehmen. So kehrte Hahn tiefbetrübt nach Kap­stadt zurück. Rath und Schöneberg blieben allein im Lande, aber auch nicht lange mehr.

Otjimbingue.

Rath hatte bei der Gründung der Station Otjimbingue einen ebenso harten Anfang. Otjimbingue liegt bei 1000 Meter Meereshöhe am rechten Ufer des Swakop, da, wo der Omusema in diesen mündet. Im Osten und Süden ist es von einer hohen Bergkette umgeben und wegen seiner tiefen Lage sehr heiß. Der Name Otjimbingue bedeutet einen Platz, wo das Vieh fett wird. Es hatte damals eine sehr reichlich fließende Flußquelle und Süßwasser im Überfluß, reichlich gutes Gartenland und noch mehr fruchtbares Land für Weizenbau im Flußbett. Fast alle europäischen Gemüse gediehen gut, und der Weizen wuchs ganz vorzüglich. Rath wohnte zuerst in einer jämmerlichen Hütte mit sechs Fuß hohen Lehmmauern und einem Dach von Matten und Leinwand. Die Folgen dieses Wohnens stellten sich bald ein; seine Frau und Kinder litten beständig an schrecklichen Augenkrankheiten. Darum mußte auch Rath, um die Augen der Seinen zu retten, sie nach dem Kap schicken. Bald darauf kam eine wilde Horde Nama, überfiel Otjimbingue und plünderte und raubte es aus. Die Bewohner zerstreuten sich und ließen Rath allein.