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Hebung sämtlicher Eingeborenen und jedenfalls eine gänzliche Vernichtung der Truppe, noch ehe Hülfe von Deutschland kommen konnte, zur Folge gehabt. Man hat ihm ferner den Vorwurf gemacht, er sei zu milde und nicht schneidig genug gegen die Eingeborenen gewesen; seine Eingeborenen-Politik habe nur das suLvitkr in inoäo, nicht aber das ioiütsr in rs gekannt! Aber daß es ihm an militärischer Schneidigkeit, wo sie angebracht war, nicht gefehlt hat, zeigt folgendes. In einem Schreiben vorn 29. Febr. 1904 aus Windhuk, antwortet er seinem Gegner Dr. Sander: „Der Aufstand der Khauashotteu- totten (1896) endete damit, daß der ganze Stamm der Khauas nach Windhuk überführt worden ist. Von den Ovambanderus wurden beide Führer, Niko- demus und Kahimemua, kriegsgerichtlich erschossen, der ganze Stamm so gut wie vernichtet und ihm 12000 Rinder abgenommen. Einige wenige seiner Mitglieder, welche sich rechtzeitig geflüchtet, leben noch. Der Stamm als solcher ist dagegen verschwunden." (Siehe Reichsbote 23. April 1901.)
War das nicht lortitgr in rs? Es war allerdings dem Gouverneur auch nicht darum zu tun, den Eingeborenen die Existenzbedingungen zu nehmen, sondern vor allem war es sein Bemühen, Achtung, Liebe und Vertrauen durch sein freundliches Verhalten zu gewinnen. Und dieses hatte er in vollem Maße erreicht. Seine menschenfreundliche Art hatte ihm das Herz gewonnen, so daß man nie anders als mit Ehrerbietung von ihm sprechen hörte. Überall, besonders auf den Missionsstationen, wurde er von Weißen und Schwarzen mit Jubel und Flaggenschmuck auf den Häusern und Hütten empfangen und begrüßt. Die Herero nannten ihn ihren Omuhona, d. h. König. Auch für die Missionsarbeit zeigte er großes Interesse und wurde als ein lieber Gast gerne in den Häusern der Missionare gesehen.
So erfreulich sich aber das Schutzgebiet zu entwickeln schien, so konnte es doch bei dem immer größer werdenden Zuzug von Weißen auch an recht bedenklichen Seiten nicht fehlen. Der Verlauf der Kolonialgeschichte zeigt, daß große Fehler gemacht wurden, die zu einem völligen Zusammenbruch des hoffnungsvollen Anfangs führen mußten. Ich erinnere nur an das Händler- und Borgunwesen, an den Branntweinhandel, an die Reservatsfrage und andere Dinge. Auf diese Schattenseiten und Fehler aber hier näher einzugehen, gestattet weder der Raum noch die Absicht dieses Buches.
S K S
Sechzehntes Kapitel.
LpOchen-Ka lenzer.
Lehrreich für die Volkskunde ist auch der Epochen-Kalender der Herero. Sie zählen die Jahre nicht wie wir, sondern geben ihren „Jahren" besondere Namen, welche die Zeitabschnitte charakterisieren. Um diese Epochen und ihre