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Die Herero : ein Beitrag zur Landes-, Volks- und Missionskunde / von J. Irle
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daß Südwestafrika den Engländern verloren gehen könne, zumal sie ja den Schlüssel des Landes, die Walfischbai, für immer in Händen zu haben glaubte. Es war wohl auch der Kapregierung zu gut bekannt, daß der Wert des Herero- und Namalandes fast nur in der Viehzucht der Eingeborene» bestand, das Land sich aber nicht für größere Ackerbau-Ansiedlungen eignete. Der Handel mit Großvieh, Elfenbein und Straußenfedern aber war und ist noch bis in neuste Zeit auf die Kapkolonie angewiesen. Die Kapregierung aber hatte, was Minenabbau anbelangt, in Johannesburg und Kimberlep vollauf zu tun, und Erzfunde in Hereroland erschienen ihr wohl von noch zu zweifelhaftem Werte. Es ist anzunehmen, daß. wenn ihr damaliges Protektorat auch nur ein kleines, immerfließendes Flüßchen auszuweisen gehabt hätte, dieses wohl nie in deutschen Besitz gelangt wäre. Doch so erschien der englischen Regierung das Land zu wertlos. Größeres dafür zu wagen. Darum hat sie es auch unterlassen, ihm durch ernstliches Eingreifen Frieden und Ordnung zu sichern.

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fünfzehntes Kapitel.

Deutsche Schuhherrschcckt.

Bevor wir von den politischen Dingen scheiden, läßt es sich schwer ver­meiden, nicht auch noch einen kurzen Blick auf die deutsche Schutzherrschaft, ihren Ansang und ihre weitere Entwicklung zu werfen. Es liegt nicht in der Absicht dieser Arbeit, eine Darstellung aller kolonialpolitischeu Vorgänge in Südwestafrika zu geben; jedoch um der Mission und des Volkes willen, an dem diese seit 1844 arbeitet, ist es nötig, gerecht und billig, die Vorgänge zu beleuchten und falsche, irreführende Ansichten, die immer wieder als Wahrheiten angeführt werden, ins rechte Licht zu stellen.

Im Anfang der achtziger Jahre begann man auch von deutscher Seite Generalkouzessiouen auf Erze und Mineralien im Hererolande zu erwerben. Diese und nichts anderes suchten die deutschen Unternehmer fürs erste. Die Bestrebungen scheiterten jedoch an dem Widerstände Mahareros. Er kannte die Deutschen nicht. Die Engländer hatten sich greifbare Verdienste um Hereroland erworben und sich das auch Opfer kosten lassen. Nicht nur hatten in all den Kriegen vornehmlich englische Händler die Herero mit Waffen und Munition versorgt, sondern sie hatten auch die Gründung einer Burenrepublik im Lande verhindert. Kein Wunder, wenn darum die Herero in den Engländern ihre Freunde sahen und sich gegen die Deutschen ablehnend verhielten.